208
8 117 .
Frankreich, England und Nordamerika.
1. Ludwig XV.
In Frankreich war auf Ludwig XIV. (8 104) dessen fünfjährigerUrenkel Ludwig XV. (1715—1774) gefolgt, der anfangs unter der Vor-mundschaft des Regenten, des talentvollen, aber sittenlosen Herzogsvon Orleans, stand, dann dem Kardinal Fleury die Staatsverwaltungübertrug. Nach dessen Tode ließ sich der König von ganz verworfenenWeibern, besonders von der Marquise vonPompadour, beherrschenund versank mehr und mehr in Erschlaffung. Das Sittenverderben,welches am Hofe herrschte, verbreitete sich immer weiter im Volke; diechristliche Religion, deren Lehren von geistreichen Schriftstellern, wieVoltaire, Rousseau, d'Alembert,Diderotrc., bekämpft oder verspottetwurden, geriet in tiefen Verfall; die Verschwendung des Hofes erzeugteeine ungeheure Schuldenlast. Diese wurde noch vergrößert durch Lud-wigs Kriege. Seine Teilnahme am polnischen und am öster-reichischen Erbfolgekriege (§110,3; §114,3), sowie am sieben-jährigen Kriege (§ 115), ist bereits erwähnt. Verlustreicher als dieseKämpfe war der Seekrieg mit England (2).
2. Englands Seeherrschaft.
England stand unter Königen aus dem Hause Hannover (§ 105, 4),seit der Kurfürst von Hannover, der nächste protestantische Verwandte derKönigin Anna und Urenkel Jakobs I., als König Georg I. (1714—1727)den Thron bestiegen hatte. Unter Georg II. (1727—1760) nahm Eng-land, mit Maria Theresia verbündet, am österreichischen Erbfolgekriege,dann, als Bundesgenosse Friedrichs des Großen, am siebenjährigen Kriegeteil (§ 115) und führte gleichzeitig gegen Frankreich einen siebenjäh-rigen Seekrieg, der (durch Grenzstreitigkeiten zwischen den Kolonieender Engländer und der Franzosen in Nordamerika entstanden) sich all-mählich in alle vier Weltteile ausdehnte. Die Franzosen unterlagen fastüberall und verloren, bald nach Georgs III. (1760—1820) Regierungs-antritt, im Frieden zu Paris (1763) Kanada und mehrere westindischeInseln an die Engländer. Auch in Ostindien erwarb England großeBesitzungen. Die oft indische Kompagnie (§ 99, 5) gründete dortdurch glückliche Kämpfe gegen die Statthalter (Nabobs) des Großmogulsein Reich, welches bald an Umfang und Bevölkerung das Mutterlandweit übertraf. Bengalen wurde unterworfen (Lord Clive), der mächtige