Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
240
JPEG-Download
 

240

2. Der Kamps in Frankreich 1814.

Erst nach längerem Stillstehen auf der rechten Rheinseite (wodurchNapoleon für neue Rüstungen Zeit gewann) entschlossen sich die Verbün-deten (namentlich auf Blüchers und Steins Betreiben) zum Einmarschin Frankreich. Das Hauptheer unter Schwarzenberg überschritt beiBasel, das schlesische unter Blücher am 1. Januar 1814 bei Mannheim,Kaub und Koblenz den Rhein. Blücher kämpfte siegreich am 1. Februarbei la Rothiere unweit Brienne und rückte dann längs der Marne,Schwarzenberg längs der Seine gegen Paris vor. Aber Napoleondrängte die einzelnen Korps beider Armeen in mehreren siegreichen Ge-fechten (bei Champaubert, Montmirail, Chateau-Thierry, Etoges die schle-sische, bei Montereau die Schwarzenbergische Armee) wieder zurück, bisBlücher, kühn vorwärtsgehend, sich mit den aus Holland kommendenTruppen Bülows vereinigte und den Sieg bei Laon (9. u. 10. März)gewann, während Schwarzenberg bei Bar und bei Arcis an der Aubesiegreich kämpfte. Da warf sich Napoleon in den Rücken der Verbündeten,um sie von Paris abzuziehen und nach dem Rheine zu locken. Alleindie Verbündeten marschierten auf die Hauptstadt los, schlugen die Mar-schälle Mortier und Marmont (bei La Fere Champenoise) und nötigtennach Erstürmung der Höhen des Montmartre Paris zur Übergabe.Am 31. März erfolgte ihr Einzug in die Stadt; Napoleon wurdevom Senate abgesetzt erklärt und entsagte (11. April zu Fontainebleau)für sich und seine Erben dem französischen Throne, wogegen er die InselElba als Fürstentum bekam und den Kaisertitel behielt. Ludwig XVIII.,der Bruder Ludwigs XVI., kehrte als König nach Paris zurück und gabdurch die Charte Frankreich eine neue Verfassung. Im ersten Friedenzu Paris (30. Mai) wurde Frankreich im wesentlichen auf die Grenzenvon 1792 beschränkt. Der Papst und die übrigen italienischen Fürstenkehrten in ihre Länder zurück. Murat verblieb in Neapel, weil er sich zurVertreibung der Franzosen mit Österreich vereinigt hatte.

3. Der Wiener Kongreß 18141815.

Um die Angelegenheiten Europas zu ordnen, versammelten sich dieVertreter der europäischen Mächte, namentlich die Kaiser von Österreichund Rußland und der König von Preußen, sowie viele andere Fürsten,Staatsmänner und Feldherren auf dem Kongresse zu Wien (1. Nov.1814 bis 9. Juni 1815), der zahlreichsten und prächtigsten Versammlungseit dem großen Konzil von Konstanz. Nach langen Verhandlungen, die