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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Hebung des alten Erbrechts, fest, daß nach dem Tode des Königs Fried-rich VII. die Regierung über den gesamten dänischen Staat auf denPrinzen Christian von Glücksburg übergehen sollte.

Z 142.

Der Krimkrieg 18531856.

1. Unter der Regierung des Kaisers Nikolaus war namentlich seit dem Friedenvon Adrianopel G 137, 2) Rußlands Einfluß in der Türkei überwiegend geworden.Um seine Herrschaft im Osten noch zu erweitern, verlangte der Kaiser, der das türkischeReich für einen »kranken Mann" hielt, in gebieterischer Weise (Sendung des FürstenMenzikoss) von der Pforte, daß ihm die Schutzherrschaft über alle in der Türkei woh-nenden griechisch-katholischen Christen übergeben werde, und ließ, als diese Forderungverweigert wurde, die Moldau und Walachei von seinen Truppen besetzen, woraufihm der Sultan den Krieg erklärte (1853).

2. Der türkische Oberfeldherr Omer Pascha hielt an der Donau die Russenvom Vorrücken ab, während diese eine türkische Flotte bei Sinöpe zerstörten. Daraufsandten England und Frankreich, verbündet mit der Türkei, deren Fortbestehen alsfür das europäische Gleichgewicht notwendig betrachtet wurde, eine vereinigte Flotte indas Schwarze Meer, vor welcher sich die russische in den Hafen von Sebastopel rettete.Das russische Landheer kehrte nach vergeblicher Belagerung von Silistria an denGrenzfluß Pruth zurück, und die Österreicher, ebenfalls dem Anwachsen der MachtRußlands entgegentretend, rückten nun, infolge eines Vertrages mit dem Sultan, indie Donaufürstentümer ein.

3. Um eine Entscheidung des Krieges herbeizuführen, landete im Herbst 1854ein großes französisch-englisches Heer, dem sich später auch sardinische Truppen anschlössen,in der Krim, die jetzt der Hauptschauplatz des Kampfes wurde. Die Verbündetenerrangen dort mehrere Siege (an der Alma, bei Jnkerman rc.) und eroberten endlichnach zwölfmonatlichem Belagerungskampfe im September 1855 die Hauptstütze derrussischen Macht im Schwarzen Meere, die Seefestung Scbastopcl (General Pelissier).

4. Kaiser Nikolaus war bereits am 2. März 1855 gestorben, und sein Sohn undNachfolger Alexander II. nahm nun die Bedingungen an, welche ihm von den Ver-bündeten zur Beendigung des Kampfes geboten wurden. Im Frieden zu Paris1856 verzichtete Rußland auf sein Übergewicht im Schwarzen Meere, das dem Handelaller Nationen geöffnet wurde, und gab die Schutzherrschaft über die Moldau undWalachei auf. Den christlichen Unterthanen des Sultans wurden gleiche bürgerlicheRechte mit den Türken gewährleistet.

Von Rußlands Schutzherrlichkeit befreit, strebten die beiden FürstentümerWalachei und Moldau nun auch danach, sich der türkischen Oberherrschaftzu entziehen. Sie vereinigten sich 1861 zu einem Fürstentum unter demNamen Rumänien; 1866 wurde der Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als Fürst erwählt, der 1881 die Königskrone von Rumänienannahm.

In Rußland war Kaiser Alexander II. bestrebt, die innere Wohlfahrtfeines Reiches zu heben. Seine wichtigste Regententhat war die 1861 verkün-