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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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des kleinen, zu den englischen Besitzungen gehörenden Königsreiches Audh, den Auf»stand vollends zu beendigen. Die Regierung des indischen Reiches ging nun (1. Sept.1858) von der ostindischen Kompagnie an die Königin von England über, die 1876den TitelKaiserin von Indien" annahm.

3. Wichtig für die Erweiterung des englischen Handelsgebietes wurde der Kampf,in welchen England während des indischen Ausstandes mit China geriet. Beein-trächtigung eines 1842 zu Nanking geschlossenen Vertrags, der den Engländern fünfHäfen Chinas geöffnet hatte, veranlaßte die Engländer und Franzosen, ihre Streitkräftegegen das abgesonderte Reich der Mitte zu vereinigen: Kanton wurde (Dez. 1857) er-obert, und dadurch der Vertrag von Tientsin (1858) bewirkt, nach welchem sechsweitere Handelshäfen zugänglich und die Ausübung der christlichen Religion in Chinagewährt wurde. Die Nichterfüllung dieses Vertrages führte 1860 zu einem neuenenglisch-französischen Kriege mit China, in welchem die Verbündeten bis in dieHauptstadt Peking vorrückten (Plünderung des kaiserlichen Sommerpalastes durch dieFranzosen). Infolge davon mußte China neue Häfen und den Dang-tse-kiang demVerkehrs öffnen und europäischen Gesandten den Aufenthalt in Peking gestatten.Schon 1858 hatte England auch von dem abgesperrten Japan die Öffnung seinerfünf Häfen erlangt. Ein Feldzug nach Abessinien (1868), um die von dem KönigTheodor gegen Europäer verübten Grausamkeiten zu bestrafen, war von raschemErfolge begleitet. Zwar hatte das von der Küste des Roten Meeres einrückende eng-lische Heer große Schwierigkeiten zu überwinden die Geschütze mußten von Elefantendurch unwegsame Gebirgspässe geschleppt werden, aber der grausame König wurdegänzlich besiegt und nahm sich nach der Erstürmung seiner Bergfeste Magdala selbstdas Leben.

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Amerika.

Das an Umwälzungen in Europa so reiche Zeitalter brachte auch derneuen Welt große Umgestaltungen.

1. Im ehemaligen spanischen Südamerika, auf welches die Entstehung des nord-amerikanischen Freistaates Einfluß geübt hatte, erhob sich, als Ferdinand VII. ihmgleiche Rechte mit dem Mutterlande verweigerte, ein langwieriger Krieg, der mit seinerTrennung von Spanien endete. Zuerst erklärte sich Venezuela unabhängig; in dembenachbarten Neu-Granada wurden die Spanier von Simon Bolivar besiegt, undbeide Staaten vereinigten sich 1819 zu der Republik Columbia, als deren Präsidentder .Befreier" Bolivar gewählt wurde. Nach seinem Tode (1830) teilte sich Columbiain die drei Republiken Neu-Granada (Hauptstadt: Bogota), Venezuela (Haupt-stadt: Caracas) und Ecuador (Hauptstadt: Quito). Das spanische VizekönigreichRio de la Plata machte sich 1817 unabhängig: aus ihm wurde die argentinischeRepublik oder die vereinigten Provinzen am la Plata (Hauptstadt: BuenosApres). Montevideo oder Banda Oriental gestaltete sich 1828 zu der RepublikUruguay. Chile wurde durch die Siege von San-Martin, welcher von denPlata-Provinzen aus die Anden überschritt, den Spaniern entrissen 1818 (HauptstadtSantiago). In Peru nahm Bolivar mit einem columbische» Heere die HauptstadtLima ein, und der Sieg des jungen columbischen Helden Sucre bei Ayacucho 1823entschied des Landes Befreiung. Oberperu wurde ein besonderer Freistaat undnannte sich nach Bolivar Bolivia. Der von den Jesuiten, unter spanischer Hoheit,