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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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regierte Staat Paraguay (Hauptstadt Assumpcion) hatte sich schon 1811 unabhängigerklärt. Noch sind indessen die Zustände aller dieser Republiken infolge innerer Par-teiungen wenig befestigt.

2. Ebenso schwankend sind auch die Verhältnisse in dem ehemaligen spanischenNordamerika. In Mexiko dem spanischen Vizekönigreich Neu-Spanien wurde1822 der Oberst Jturbide zum Kaiser August in I. ausgerufen, doch bald wiederentthront und nach einem mißlungenen Versuche, sich der Herrschaft von neuem zubemächtigen, erschossen (1824). Mexiko wurde, nach dem Vorbilde des nordameri-kanischen Freistaats, zu einem republikanischen Bundesstaate erklärt. Von dem-selben riß sich 1835 Texas los, und 1848 wurde auch Ober-(Neu-)Kalifornien andie Nordamerikanische Union abgetreten. 1863 eroberten die Franzosen Mexiko (Z 148,2),und 1864 setzte Napoleon III. den Erzherzog Ferdinand Maximilian von Öster-reich als Kaiser Maximilian I. ein, der indes nach dem Abzüge des französischenHeeres 1867 von der republikanischen Partei (Präsident Juarez) besiegt, gefangenund (19. Juni) standrechtlich erschossen wurde (Z 148, 2). Guatemala machte sich1821 von der spanischen Herrschaft frei und bildete die Bundesrepublik Central-amerika, deren fünf Staaten Guatemala, Honduras, Sän Salvador, Ni-earagua und Costarica sich später als eigene unabhängige Rupubliken gestaltethaben. So blieben den Spaniern von allen ihren amerikanischen Besitzungen nur dieInseln Kuba und Portoriko.

3. Während aus den spanischen Kolonieen unabhängige Republiken hervorgingen,wurde das mit Portugal vereinigte Brasilien 1822 ein selbständiges Kaiserreich(Z 135, 2). Der erste Kaiser Peter I. (Dom Pedro) sah sich 1831 durch einen Auf-stand zur Abdankung genötigt; ihm folgte sein fünfjähriger Sohn Peter H., der 1840für volljährig erklärt wurde und, unter mancherlei Schwierigkeiten, des weiten Reichesallmähliches Fortschreiten zu fördern bemüht war. Doch wurde endlich (1890) auchin Brasilien die Monarchie gestürzt, der Kaiser vertrieben, und die Republik eingeführt.

4. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika wuchsen an Ausdehnung desGebiets wie an Bevölkerung, die durch fortdauernde Einwanderung rasch gesteigertwird, riesenmäßig an. Durch Kauf wurde von Frankreich Louisiana, von SpanienFlorida erworben, ferner Texas, das sich von Mexiko losgesagt, 1845 in den Bundaufgenommen. Der hierdurch mit Mexiko entstandene Krieg errang 1848 die Abtretungvon Neu-Mexiko und Oberkalifornien, das bald durch seinen Goldreichtum lockendwurde. Indes bildete sich der vorzüglich auf der Verschiedenartigkeit des Erwerbs^beruhende Gegensatz der industriereichen nördlichen und der sklavenhaltenden südlichenStaaten immer schärfer aus. Jahrelang war der Einfluß der letzteren durch festesZusammenhalten vorwiegend. Endlich aber setzte die nördliche Gegenpartei die Wahldes Advokaten Abraham Lincoln, eines Gegners der Sklaverei, zum Präsidenten derVereinigten Staaten durch. Da trennten sich die elf Sklavenstaaten (Virginien, beideKarolina, Tennessee, Arkansas, Georgia, Florida, Alabama, Mississippi, Louisiana undTexas; 5'/s Mill. Weiße und 3'/a Mill. Neger) von dem Norden und traten als neuerStaatenbund unter dem Namen konföderierte Staate» zusammen (Regierungssitzdie Stadt Richmond in Virginien). Dem Südbunde gegenüber standen die 23 Nord-staaten mit 23 Mill. Weißen und '/s Mill. Sklaven. Im Anfange des VierjährigenBürgerkrieges 18611865 zeigten sich die von tüchtigen Feldherren (Beauregard,Lee, Jackson) geführten Heere der Konföderierte» den unzulänglich gerüstetenNordstaaten meist überlegen, ohne daß jedoch die zahlreichen blutigen Schlachten