Das Verlangen nach einer Neugestaltung derselben machte sich, namentlichseit Italien seine Einigung (größtenteils) vollzogen (Z 143), mit neuerStärke geltend, und der 1859 gestiftete Nationalverein suchte dafürzu wirken, daß Preußen als der mächtigste rein deutsche Staat dieFührung des geeinigten Deutschlands erhalte. Freilich lagen die Dingeso, daß, wie der preußische Ministerpräsident Bismarck offen aussprach,diese Bestrebungen „nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse, sondernnur durch Eisen und Blut" verwirklicht werden konnten. Vornehmlichzwischen den beiden Hauptmächten, Österreich und Preußen, bestand indieser Frage ein starker Gegensatz. Der Kaiser von Österreich legte einemvon ihm nach Frankfurt berufenen Fürstentage (August 1863) einenBundesreformplan vor, nach welchem Österreich an Deutschlands Spitzetreten, Preußen aber auf eine Stufe mit Bayern gestellt werden sollte.Der Plan scheiterte, da Preußen die Beteiligung an dem Fürstentage ab-lehnte und im Gegensatze zu dem österreichischen Reformvorschlage, derdem Verlangen der Nation nach einem freien deutschen Parlamentkeine Rechnung trug, eine aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Ver-tretung des deutschen Volkes als notwendige Grundlage jeder Neugestal-tung des Bundes bezeichnete.
3. Verwickelung in Schleswig-Holstein. Die schleswig-holsteinische Angelegenheit gab nun den Anstoß dazu, daß der Gegensatzder beiden Mächte zum blutigen Austrage kam. Als nämlich bald nachdem Abschluß der Übereinkunft von Gastein (Z 146, 3) die österreichischeRegierung in Holstein immer entschiedener daraus hinarbeitete, dieses Landdem Prinzen von Augustenburg zu überantworten, erhob Preußen, dasdie Errichtung eines neuen Kleinstaates an der Eider nicht dulden konnte,hiergegen scharfen Widerspruch und stellte, um mit der schleswig-hol-steinischen zugleich die deutsche Frage zur Entscheidung zu bringen, amBrindestage den Antrag auf Einberufung eines deutschen Parlaments.Die meisten deutschen Mittelstaaten widerstrebten einem solchen Parlament;Österreich aber verband sich dieselben dadurch noch enger, daß es nun dieschleswig-holsteinische Sache der Entschließung des Bundes übergab. DieseÜbergabe erklärte Preußen für einen Bruch der Gasteiner Übereinkunftund ließ Truppen aus Schleswig in Holstein einrücken, um auch dortseine Ansprüche auf die Regierung des Landes zur Geltung zu bringen.Vor den Preußen zogen sich die minder zahlreichen österreichischen Be-satzungstruppen aus Holstein zurück (12. Juni).
4. Ausbruch des Krieges. Wegen der Besetzung Holsteins durchPreußen beantragte Österreich Bundeshilfe; als diese in der Bundes-