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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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tagssitzung vom 14. Juni beschlossen wurde, erklärte Preußen, daßdurch diesen Beschluß der bisherige Bundesvertrag gebrochen und erloschensei, und ließ sofort Truppen in seine gegnerischen Nachbarstaaten Han-nover, Kurhessen und Sachsen einrücken. Das hannoversche Heer,das in südöstlicher Richtung zu den Bayern durchzubrechen suchte, strecktenach dem Treffen bei Langensalza (27. Juni), von preußischerÜbermacht umstellt, die Waffen; Kurhessen wurde ohne Widerstand besetztund der Kurfürst als Kriegsgefangener nach Stettin abgeführt; das säch-sische Heer wandte sich, als die Preußen ins Land drangeir, nach Böhmen,um sich mit den Österreichern zu vereinigen.

5. Der Kampf in Böhmen. Österreich hatte in Mähren undBöhmen unter dem Feldzeugmeister Benedek ein Heer von 247000Mann aufgestellt, dem sich 24000 Sachsen anschlössen. Gleichzeitig vondrei Seiten drangen die Preußen in Böhmen ein: 1. die Elbarmee,46000 Mann unter Herwarth von Bitteufeld, zog von Dresden hersüdöstlich, bestand das glückliche Vorpostengefecht bei Hühnerwasser(26. Juni) und vereinigte sich mit der: 2. ersten Armee, 93 000 Mannunter dem Prinzen Friedrich Karl, die von der Lausitz her eingerücktwar, worauf am 28. Juni das siegreiche Gefecht beiMünchengrätz er-folgte. Durch das gleichfalls günstige blutige Treffen bei Gitschin(29. Juni) wurde dann auch die Verbindung mit dem noch übrigenpreußischen Heere gewonnen. 3. Dieses, die sogenannte zweite oderschle fische Armee, 115000 Mann unter dem Kronprinzen FriedrichWilhelm, zog weiter östlich durch die schlesischen Gebirge heran. Derrechte Flügel, das I. preußische Armeekorps unter Bonin, wurde am27. Juni bei Trautenau zurückgedrängt; aber das Centrum, dieGarde, eröffnete ihm am folgenden Tage durch das glückliche Treffenbei Soor (Trautenau) wieder die Straße zum Vorgehen; der linkeFlügel, das V. Armeekorps unter Steinmetz, erfocht die Siege beiNachod (27. Juni), Skalitz(28.) und Schweinschädel (29.). Nach-dem die Österreicher in diesen Gefechten bereits 35000 Mann eingebüßthatten, vereinigte Benedek sein Heer bei Königgrätz. Den Oberbefehlüber die gesamten preußischen Streitkräfte aber übernahm nun der KönigWilhelm, welcher (mit dem Grafen Bismarck) am 2. Juli in Gitschineintraf; ihm zur Seite als Chef des Generalstabs der General Moltke.Unmittelbar darauf erfolgte dann der entscheidende Kampf,

6. die Schlacht bei Königgrätz, 3- Juli. Seit Jahrhundertenhatten, mit Ausnahme der Völkerschlacht bei Leipzig, so gewaltige Heerenicht einander gegenüber gestanden: 210000 Österreicher und Sachsen