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5 Meilen zu machen hatte, abends eintraf und auch hier den Sieg entschied.Der Feind mußte sich in die Vsrschanzungen nach Metz zurückziehen. Es warein Riesenkampf: 200 VOO Deutsche gegen 140000 Franzosen. Tote und Ver-wundete auf deutscher Seite 20000 Mann; die Franzosen hatten 13000 Ge-fallene und verloren 3000 Gefangene. Die Gesamtzahl der dreitägigen Verluste(vom 14., 16. und 18. August) belief sich auf 80000 Mann.
7. Das Gottesgericht von Sedan. Nach der Einschließungdes Bazaineschen Heeres in Metz wurde aus Truppen der zweiten deutschenArmee (der Garde, dem IV. und XII. Armeecorps) eine vierte Armee(die Maasarmee) unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen ge-bildet, um in Gemeinschaft mit der dritten (Süd-) Armee unter demKronprinzen von Preußen gegen das von Mac Mahon im Lager vonChalons gesammelte französische Heer zu ziehen. Aber der Marschall warbereits, um dem umlagerten Heere Bazaines Entsatz zu bringen, genNorden abgezogen; daher änderten die beiden deutschen Heere ihre Marsch-richtung plötzlich gegen Norden und Osten. Sie nötigten den Feind zurSchlacht bei Beaumont (30. Aug.), durch welche der Kronprinz vonSachsen die Franzosen (das Corps Failly) über die Maas und gegenSedan zurückdrängte.
War schon durch diese Schlacht Mac Mahons Versuch, Metz zu ent-setzen, gescheitert, so sollte zwei Tage später durch den großen Sieg desKönigs Wilhelm bei Sedan 1. September die letzte französische Feld-armee nicht bloß entscheidend überwunden, sondern 2. September durch dieWaffenstreckung von über 85 000 Franzosen völlig vernichtet und durchdie Gefangennehmung des französischen Kaisers selbst das ganze Napo-leonische Staatsgebäude zu Boden gestürzt werden. Es war ein Welt-ereignis von unermeßlicher Bedeutung.
Das französische Heer hatte zum Mittelpunkte seiner Stellung dieFestung Sedan, sein rechter Flügel stützte sich auf das Dorf Bazeilles, derlinke Flügel auf einen Bergvorsprung beim Dorfe Jlly; der deutsche Operations-plan ging dahin, den Feind von allen Seiten zu umfassen. Die Schlacht(200000 Deutsche, 130000 Franzosen) begann 4 Uhr morgens bei Bazeilles miteinem Angriff der Bayern, um 10 Uhr ist das Dorf in einen Trümmerhaufenverwandelt. Dann greifen rechtshin weitere Heeresteile ein: um Mittag ist auchder Bergvorsprung bei Jlly erstürmt. Mac Mahon wird (beim Beginn derSchlacht) verwundet; General Wimpffen übernimmt statt seiner den Be-fehl. Aber immer enger schließt sich der Gürtel um die Franzosen: im Westenund Norden stürmt der Kronprinz von Preußen, im Osten und Süden derKronprinz von Sachsen auf sie ein. Um 3 Uhr zieht sich der Feind hinter dieMauern von Sedan zurück, wo alles in Auflösung gerät. Die Schlacht ist ent-schieden; Napoleon sendet an König Wilhelm ein Schreiben: „Da es mir nichtvergönnt war, inmitten meiner Truppen den Tod zu finden, so übergebe ich anEw. Majestät meinen Degen." Am folgenden Morgen (2. Sept.) erfolgt dieKapitulation: ein Marschall, 39 Generäle, 230 Stabs- und 2866 andere Ossi-