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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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6. Die Schlachten bei Metz. Schon aber waren, gleich derdritten, auch die erste und zweite deutsche Armee auf französischemBoden vorgerückt. Beide wandtm sich gegen Bazaines Heer: es galt,dasselbe in der Festung Metz einzuschließen und dadurch von der Verbin-dung mit Paris abzuschneiden. Dieser Zweck wurde erreicht durch dieKämpfe vom 14., 16. und 18. August. Durch die Schlacht bei Colombey-Noutlly 14. August zwang General Steinmetz (mit der ersten Armee)den Feind, seinen bereits begonnenen Abzug auf Chalons zu verschieben.Prinz Friedrich Karl überschritt (mit der zweiten Armee) südlich vonMetz (bei Pont-ä-Moufson) die Mosel und vereitelte durch den blutigenSieg bei Vionville (Mars la Tour) 16. August Bazaines Abmarsch aufder Straße von Metz nach Verdun.

Die Avantgarde der preußischen zweiten Armee bildete das m. Armee-korps (Brandenburger), das morgens um 10 Uhr bei Vionville den Feind an-griff und über fünf Stunden lang gegen die dreifache Übermacht (45000 gegen138000) aushielt. Gegen 4 Uhr langte das X. Corps auf dem Schlachtfeldean, und später griffen auch Truppen des VIII. und IX. Corps ein. Diesehr mörderische Schlacht der großartigste Reiterkampf des ganzen Kriegesdauerte elf Stunden. Die Verluste beliefen sich im ganzen auf 33000 Mann,unter denen 16000 Deutsche.

Eine dritte Schlacht, König Wilhelms Sieg bei Gravelotte18. August, machte endlich jedes Entweichen des französischen Marschallszunichte und warf sein Heer hinter die Festungswerke von Metz zurück,sodaß es, von den Preußen mit eisernem Ringe umschlossen, im Feldenicht mehr erscheinen konnte.

Nachdem den Franzosen durch die Schlacht bei Vionville die süd-liche Straße nach Verdun abgeschnitten war, sollte ihnen nun auch ein Aus-weichen auf der nördlichen Straße unmöglich gemacht werden. Am 17. Augustmarschierte das XII. Corps (die Sachsen) von Pont-L-Mousson gegen Mars laTour, die Garde weiter westlich, die erste (Steinmetzsche) Armee ging bei Arryund Corny über die Mosel. Am folgenden Tage überblickte der die Schlachtpersönlich leitende König Wilhelm mit Moltk e und dem Prinzen Fried-rich Karl von den Höhen von Flavigny (südlich von Vionville) die Ausstellungdes feindlichen Heeres, dessen Nachhut bei Gravelotte stand. Hier sollte esSteinmetz mit dem VII. und VIII. Corps festhalten, die Armee des PrinzenFriedrich Karl aber weiter gegen die nördliche Straße Metz-Verdun vorrücken,bei welcher namentlich die Höhen von St. Privat von den Franzosen besetztwaren. Um Mittag beginnt die Schlacht mit einem mehrstündigen Artillerie-kampf. Um 5 Uhr bricht die Garde gegen St. Privat, den Schlüssel der feind-lichen Stellung, zum Angriff vor, der, von den gegen 7 Uhr in der rechtenFlanke des Feindes eintreffenden Sachsen (XII. Corps) unterstützt, die Erobe-rung des Dorfes zur Folge hat. So war auf diesem Flügel der Sieg errungen.Dagegen stand die Sache auf dem rechten Flügel, bei Gravelotte, noch unent-schieden, bis das II. Corps (Fransecky), das an diesem Tage einen Marsch von

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