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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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feldherr friert« die große Thatsache, .daß nun die beiden feindlichen Armeeen, welcheim Juli uns gegenübertraten, in Gefangenschaft sich befinden', dadurch, daß er .diebeiden Kommandierenden unserer Armeen, Fritz (den preußischen Kronprinzen)und Friedrich Karl, am 28. Oktober zu Feldmarschällen ernannte' (der ersteFall der Art im preußischen Königshause) und den General Moltkein den Grafen-stand erhob. Nach der Einnahme von Metz rückte Friedrich Karl mit derzweiten Armee gegen Süden; General Manteuffel, der denOberbefehlder wiedervon der zweiten abgesonderten ersten (ehemals Steinmetzschen) Armee erhielt,wandte sich nach dem Nordwesten Frankreichs.

Dem Falle von Straßburg und Metz reihte sich die Einnahme einer be-deutenden Zahl anderer Festungen an, sodaß den Franzosen bereits überzwanzig Bollwerke ihres Landes entrissen waren, als die Entscheidung beiParis herannahte.

Die Zahl der während des ganzen Krieges genommenen festen Plätze beträgt26, nämlich im August: Lützelstein, Lichtenberg, Marsalund Vitry(anderMarne);im September: Sedan, Laon, Toul und Straßburg; im Oktober: Soissons,Schlettstadt und Metz; im November: Verdun, Montbeliard, Neubreisach, Ham,Diedenhofen, la Ftre und die Citadelle von Amiens; im Dezember: Pfalzburgund Montmidy; im Januar 1871: Mezitres, Rocroy, Perronne, Longwy undParis; im Februar: Belfort.

9. Der französische Volkskrieg. DieUmschließung derHauptstadt dauerte mehrere Monate hindurch, und die Festbannung derdeutschen Heere vor Metz und Paris gewährte den Franzosen Zeit zu neuenRüstungen. Um die Volksbewaffnung zu bewirken, hatte eine Abteilung(Delegation) der republikanischen Regierung ihren Sitz in Tours genommenund erließ nun, das Beispiel des Konvents von 1793 nachahmend (Z124,2),ein allgemeines Aufgebot zu den Waffen; insbesondere übernahm derneue Kriegsminister Gambetta (der im Luftballon von Paris nach Toursgekommen war) die Arbeit, als ein anderer Carnotden Sieg über die Bar-barenhorden und Tyrannenknechte zu organisieren". Wirklich standen inkurzer Zeit zahlreiche Heeresmassen (Franctireurs, Mobilgarden, Marine-truppen rc.) wieder unter den Fahnen, die durch Freischärler aus andernLändern (Italiener, Polen rc.) unter dem alten Garibaldi vermehrt wur-den. Der Feldkrieg flammte nun an drei Hauptstellen wieder empor: an derLoire, im nordwestlichen Frankreich und im Osten (um Dijon).a. Die neugebildete französische Loire-Armee hatte vor allem die Aufgabe, dasumlagerte Paris zu entsetzen. Ihr rückte zunächst ein aus Truppen der drittendeutschen Armee vor Paris abgezweigtes Heer (meist Bayern) unter vonderTannentgegen und besetzte die Stadt Orleans am 12. Oktober. Als aber mittlerweiledie Loire-Armee sich bis auf 156 006 Mann verstärkt hatte, mußte sich von der Tannvor der Übermacht (Treffen bei Coulmiers gegen General Aurelle de Paladines)zurückziehen, um zu dem Heere unter dem Großh erzog von Mecklenburg zu