Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
279
JPEG-Download
 

279

stoßen. Dieser warf den Feind in mehreren Gefechten zurück, während der mit derzweiten Armee von Metz heranrückende General-Feldmarschall Prinz Frie-drich Karl nach dem Siege bei Beaune la Rolande 28. November durch einezweitägige Schlacht bei Orlcans 3. und 4. Dezember die Stadt von neuem in Besitznahm. Diesem Erfolge schloß sich ein weiterer Sieg bei Beaugency an (überAurelles Nachfolger General Chanzp); die Wirkung dieser Siege aber war nichtnur der Rückzug und die Trennung des feindlichen Heeres, sondern auch die Ver-legung des Regierungssitzes von dem bedrohten Tours nach Bordeaux und dasVorrücken der deutschen Truppen einerseits auf Tours, andererseits über Ven-dSme auf Le Mans, das nach siebentägigen siegreichen Kämpfen gegen ChanzySchlacht bei Le Mans 6.12. Januar 1871 von Friedrich Karl einge-nommen wurde.

d. Unterdessen hatte die erste deutsche Armee (I. und VIII. Armeecorps) unter Man-tcuffcl, welche nach dem Falle von Metz in nordwestlicher Richtung vorgerückt war,die feindliche Nordarmee (unter Faidherbe) in der Schlacht bei Amirns 27. No-vember zurückgeworfen und Rouen und die Hafenstadt Dieppe besetzt. Am 23. Dez.wurde dann der Feind durch die Schlacht an der Hallue (nordöstlich von Amiens)weiter gegen Norden gedrängt, durch die Schlacht bei Bapaumc 3. Januar 1871zum Rückzüge nach Arras genötigt. Entscheidend war endlich der Sieg bet St.Quentin 19. Januar, den Göben (der Nachfolger des zum Oberbefehl der neu-gebildeten Südostarmee abberufenen Manteuffel) gewann; die ganze französischeNordarmee löste sich auf, der Widerstand in Nordfrankreich war gebrochen.

e. Das aus badischen und preußischen Truppen bestehende XIV. Armee-korps unter General Werder war nach der Einnahme von Straßburgsüdwestlich gezogen und hatte Dijon 31. Oktober eingenommen(Treffen bei Nuits, 18. Dez.). Jetzt kam aber eine 140000Mann starke feindliche Armee unter Bourbaki von Westen her, dazubestimmt, die Truppen Werders zu umgehen oder zurückzuschlagen, daseingeschlossene Belfort zu entsetzen und durch das südliche Elsaß indeutsches Gebiet einzubrechen. Infolge hiervon ging Werder aus Dijonzurück und lieferte dann mit seiner Heldenschar von nur 35000 Manndem dreimal zahlreicheren Feinde die ruhmreiche dreitägige Schlachtbei Montbeliard und Belfort (an der Lisaine-Linie) 15.17. Jan.,durch welche Bourbaki zum Rückzüge gezwungen wurde. General Man-teuffel (der den Oberbefehl über die neu gebildete Süstostarmee über-nommen hatte) drängte darauf das Heer Bourbakis durch eine Reihesiegreicher Gefechteunweit Pontarlier (29.Jan. bis I.Febr.) indie Engen des beschneiten Juragebirges, sodaß es, noch über 90000Mann stark, aber durch Niederlagen, Kälte und Hunger zerrüttet, zumÜbertritt auf Schweizer Gebiet sich genötigt sah, wo es bis zumFrieden in Haft gehalten wurde. Die letzte französische Feldarmeewar vernichtet. Bald darauf ergab sich auch das seit mehr als dreiMonaten umlagerte Belfort, 16. Februar.