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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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10. Der Fall von Paris. Waren die überall zurückgeschlagenenfranzösischen Feldarmeeen außer stände, dem eingeschlossenen Paris Entsatz zubringen, so versuchte der General Trochu, der Hauptstadt von innen herBefreiung zu schaffen durch eine Reihe von Ausfällen, die 22 größere Gefechte,ja förmliche Schlachten herbeiführten. In allen diesen Kämpfen aber bliebendie deutschen Waffen siegreich. Endlich, nach 130tägiger Umlagerung, welchezur völligen Aushungerung der Stadt führte, wurde von dem deutschenReichskanzler Grafen Bismarck und dem französischen Minister JulesFavre ein Waffenstillstand (28. Januar) unterzeichnet, infolgedessenalle Forts um Paris übergeben wurden, die Armee der Hauptstadt ihreWaffen ausliefern mußte, und eine aus allgemeiner Volksabstimmung her-vorgehende Nationalversammlung zur Unterhandlung des Friedenssofort zusammenberufen werden sollte.

11. Der Friede. Die in Bordeaux (15. Februar) zusammentretendeNationalversammlung ernannte den alten berühmten Staatsmann Thiers(f 1877) zum Haupte der vollziehenden Gewalt und erteilte ihm den Auf-trag, in Friedensunterhandlungen zu treten. Am 26. Februar wurde in Ver-sailles der Friedensvertrag von den beiderseitigen Bevollmächtigten unter-zeichnet, am 1. März, dem Tage, wo die siegreichen deutschen Truppen ihrenEinzug in Paris hielten, von der Nationalversammlung in Bordeaux (mit546 gegen 107 Stimmen) und tags darauf auch von dem DeutschenKaiser (s. § 150) bestätigt. In diesem (Präliminar-) Frieden zuVersailles trat Frankreich an das Deutsche Reich das Elsaß (außer Bel-fort) und Deutsch-Lothringen einschließlich M etz ab (263 Q.-Meilmmit 1500 000 Einwohnern) und verpflichtete sich, im Verlaufe von 3 Jahren,während deutsche Truppen französisches Gebiet besetzt halten sollten, eineKriegsentschädigung von 5 Milliarden (5000 Millionen) Francs zu zahlen.Auf Grund dieser Bestimmungen wurde dann der Friede zu Frankfurt10. Mai endgültig abgeschlossen. Bei beschleunigterZahlung der Kriegskostenkonnte die deutsche Okkupationsarmee (unter Manteuffel) bereits bis1. September 1873 Frankreich verlassen. So endete nach siebenmonatlicherDauer dieserKrieg ohnegleichen": in 200 Tagen hatten die deutschen Heere21 siegreiche Schlachten geschlagen, 150 Gefechte bestanden, 26 festePlätze genommen, 11860 Offiziere, 372000 Mann Gefangene nach Deutsch-land geführt, über 7400 Geschütze und 107 Adler und Fahnen erbeutet.(Ferner hatten 249000 Soldaten in Paris die Waffen gestreckt; 90000waren über die Schweizer Grenze gedrängt worden.)

Der Gesamtverlust der deutschen Armes im Kriege betrug 129700 Mann anToten und Verwundeten. Die Zahl der Toten war 40881; davon fielen im Gefecht