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Mäßigung, volksfreundlicher Milde, arbeitsamer Pflichterfüllung und beharr-licher Friedensliebe, welche ihm der Mund und das Beispiel des alterfahreneuGroßvaters erteilt, nicht vergeblich empfangen habe. Als König vonPreußen verbürgte er dem Landtage die gewissenhafte Aufrechterhaltungder Landesgesetze, der Volksrechte und Volksfreiheiten, und erklärte, daß erbei seiner Regententhätigkeit „sich das Wort des großen Friedrich gegenwärtighalte, daß in Preußen der König des Staates erster Diener ist." Eine großeStunde deutscher Geschichte war es, da er vor den Reichstag zuerst alsdeut -scher Kaiser trat, umschart von den sämtlichen Fürsten des Reichs, diedurch ihr Erscheinen vor den Vertretern der Nation ihre Bundestreue feier-lich bekundeten. Die Welt erfuhr, daß Deutschland in sich einig und inseiner Einigkeit stark sei. Sie vernahm des Kaisers ebenso beruhigende alsstolze Versicherung: „Ich bin entschlossen, nach außen hin Frieden zu haltenmit jedem, soviel an mir liegt. Deutschland bedarf weder neuen Kriegsruhmsnoch irgendwelcher Eroberungen, nachdem es seine Berechtigung, als einigeund unabhängige Nation zu bestehen, endgültig erkämpft hat." Und mit wieernstem Eifer der junge Kaiser bemüht war, seine Friedensversicherung zubekräftigen und Freundschaft zu pflegen mit den Fürsten der andern Mächte,das hat er durch ein Unternehmen bewiesen, wie es in der Völkergeschichteohne Beispiel ist. Zu Wasser und zu Lande, nach Norden und Süden, nachWesten und Osten machte er Kaiserfahrten und reichte in St. Petersburg,in Stockholm und Kopenhagen, in Wien und in Rom, dann in London, inAthen und Konstantinopel den Herrschern der großen europäischen Staatenunter dem Zujauchzen der Völker die eintrachtverbürgende Bruderhand. Dendeutschen Bundesfürsten aber brachte er nach München, Dresden, Stuttgart,Karlsruhe, Oldenburg, Weimar, Darmstadt rc. rc. seinen kaiserlichen Dankfür ihre bei seiner Thronbesteigung von neuem kundgegebene unwandelbareReichstreue. Auch eine friedliche Mehrung des Reiches gelang ihm; dieInsel Helgoland wurde 1890 durch Vertrag von England zurückerworbenund damit dem Reiche ein altdeutsches Land, der deutschen Kriegsflotte einwichtiger Stützpunkt in der Nordsee gewonnen (vgl. ß 151, 3 e). — Ange-sehen nach außen, einmütig im Innern — alle Einzelstaaten von einsichts-vollen, volkstümlichen Regierungen geleitet — steht das deutsche Reich unterKaiser Wilhelm II. herrlich und machtvoll da wie nie zuvor, ein auf gewal-tiger Heeresstärke ruhendes Friedensreich, das, an der Spitze der europäischenKulturstaaten, dazu berufen erscheint, der Welt die Erhaltung und den Fort-schritt der Freiheit und Gesittung zu sichern.