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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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«insamkeit der Südseeinseln in den kunstvollsten Dichtungsformen (Salas y Gomez" rc.)zu besingen. Auch treffliche Balladen hat er gedichtet;Die alte Waschfrau' ist ein ge-lungenes Lebensbild aus dem Volke; in demSchloß Boncourt' segnet er liebevoll sogardie Bauern, die über den freventlich zerstörten Sitz seiner Vater den Pflug führen. SeinMärchen von dem schattenlosenPeter Schlemihl" ist weltberühmt.

Heinrich von Kleist, der aus Gram über die französische Fremdherrschaft und überdie Schmach seines Volkes sich selbst (1811) den Tod gab, darf als der bedeutendste Dra-matiker unter den romantischen Dichtern bezeichnet werden. Von seinen Stücken ist dasRitterschauspielKäthchen von Heilbronn' das bekannteste;Die Hermannsschlacht' giebtein Bild des Kampfes gegen die Unterdrücker des Vaterlandes, die grimmig gehaßtenFranzosen; voll Anhänglichkeit an Preußen und das Hohenzollernhaus istDer Prinzvon Homburg'. Auch Kleists LustspielDer zerbrochene Krug' verdient Erwähnung.

Ein dramatischer Dichter von Bedeutung ist ferner der Wiener Grillparzer. Seinfrühestes Schauspiel,Die Ahnfrau', gehört noch in die Reihe der verfehlten sogenanntenSchicksalstragbdien, die damals vorübergehend aufwucherten; aber seine folgendenStücke:Sappho',Das goldene Vließ" und mehrere andere sind als wertvolle Dich-tungen anzuerkennen.

4. Die vaterländischen Dichter. Tiefer und gewaltiger als durch diePoesie der Romantiker wurden die Herzen des deutschen Volkes ergriffen underhoben durch die begeisterten Lieder, welchedievaterländischenDichterzur Zeit des Befreiungskrieges von 1813 und 1814 erschallen ließen.An ihrer Spitze steht der Sängerheld Ernst Moritz Arndt; ihm reihen sichan: Theodor Körner, der Jüngling mit der Leier und demSch wert,der ritterliche Max von Schenkendorf und Friedrich Rückcrt. Der letzterehat neben der Vaterlandsdichtung noch eine ungemein reiche und mannig-faltige poetische Thätigkeit geübt. Der etwas jüngere Graf Platen hatsich durch die Formvollendung seiner Gedichte vor allen deutschen Dichternausgezeichnet.

Arndt war 1769 auf der Insel Rügen geboren und starb neunzigjährig,frischund freudig bis ans Ende', zu Bonn am Rhein. Von Kopf und Herz ein Kernmensch,der, von dem einen starken Gefühl beseelt,Schandeketten zu zerbrechen und den welschenTrug zu rächen', in den kräftigsten Klängen Deutschlands Kriegs- und Siegesehren sang.Wer kennt nicht seine Lieder:Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte',Was blasen die Trompeten',Was ist des Deutschen Vaterland',Aus Feuer ward derGeist geschaffen"? Auch andere frische und kernhafte Lieder, weltliche und geistliche, hatder treffliche Mann gedichtet und sein ereignisvolles Leben in einer ansprechenden Selbst-schau geschildert.

Theodor Körner, geb. 1791, ein Sohn von Schillers vertrautestem Freunde, lebtein den Gesinnungen der Jungfrau von Orleans:Nichtswürdig ist die Nation, die nichtihr alles freudig setzt an ihre Ehre".Was ist unschuldig, heilig, menschlich gut, wenn esder Kampf nicht ist ums Vaterland"? Siegesgewiß ritt er mitLützows wilder Jagd"in den Krieg hinaus, dichtete im Felde selbst seine feurigen Lieder von des Freiheits-kampfes Herrlichkeit und besiegelte endlich, den Sang vom Schwert, derEissnbraut"noch auf den Lippen, durch einen tapferen Reitertod die Tiefs und Kraft seiner vater-ländischen Begeisterung. Ungemein leicht flössen dem Dichterjüngling die Verse; als er