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22jährig starb, hatte er außer nicht wenigen lyrischen Gedichten bereits mehrere Schau-spiele vollendet, unter denen „Zriny" als das bedeutendste gilt.
In weicheren Tönen, voll Wohllaut und Innigkeit begleitete Max VonSchrnkMdorfdie Kriegsereignisse. Mit frommer Vaterlandsfreuds feierte er dann Deutschlands Wieder-herstellung „nach der Knechtschaft, nach dem Streit'; dem Kaiser und Reich, dem „alten'vaterländischen Rheinstrom mit seinen Ritterburgen weiht er gefühl- und klangvolle Lieder(„Das Lied vom Rhein').
Rückert hat namentlich in „geharnischten Sonetten' seiner Freiheitsbegeisterungmarkigen Ausdruck gegeben. Vaterländischen Inhalts sind auch: „Deutschlands Helden-leib', „Des Rheinstroms Gruß', „Die hohle Weide' rc. — Die Zahl seiner Gedichte istfast allzugroß. Er entfaltet in denselben eine sprachliche Meisterschaft, wie sie kein andererdeutscher Dichter erreicht hat. Dies gilt insbesondere auch von den bewundernswertenNachbildungen und Wiederdichtungen, durch welche er uns die Poesie der Völker desOrients erschlossen hat; denn, wie er sagt: „die Poesie in allen ihren Zungen ist dem Ge-weihten eine Sprache nur.'
Wie Rückert durch höchste Mannigfaltigkeit, ist Graf PlateN (gest. 1835 inSyrakus) durch vollendete Reinheit der dichterischen Form ausgezeichnet. Darf er nachdieser Seite als größter Meister gelten, so fehlt es doch seinen kunstvoll geglätteten Ge-dichten an volkstümlicher Frische und Wärme; sie sind „schön und kalt wie Marmor", vondem deutschen Leben zu abgewendet, als daß sie allgemeinere Verbreitung im Volke hättenfinden können. Von seinen Romanzen sind „Das Grab im Busento" und „Der Pilgrimvon St. Just" die bekanntesten.
5. Der schwäbische Dichterkreis. Neben Schiller der volksbeliebtestealler unserer Dichter war Uhland. Um ihn her gruppieren sich die übrigenSänger der sogenannten „ schwäbischen Schule "»unterdenenJustinusKern er und Gustav Schwab die bemerkenswertesten sind.
Ludwig Uhland lebte zu Tübingen, wo er 1862 starb. Seine B alladen, derenStoffe größtenteils der vaterländischen Sage und Geschichte angehören, seine heiteren undgemütvollen Lieder sind in aller Mund und Herzen. Wie einst die ritterlichen Dichter mitden Goldharfen, singt er „von Gottesminne, von kühner Helden Mut, von lindem Liebes-sinne, von süßer Maienblut', und seine Lieder, die „in Wald und Thal erschollen', wurdeneine Macht des Segens für das frisch aufblühende kräftige Volksleben unseres Zeitalters.Auch zwei dramatische Dichtungen, „Herzog Ernst' und „Ludwig der Bayer', habenUhland zum Verfasser.
Mehr als bei Uhland tritt in den Gedichten seines Freundes Justinus Kerner derTon der Sehnsucht und Wehmut hervor. Bilder des Sterbens drängen sich ihm überallauf, Schmerz ist ihm der Grundton der Natur. Seine Lieder sind anziehend und volks-tümlich, melodisch, herzbewegend. Unvergleichlich schön ist sein Wanderlied: „Wohlaufnoch getrunken den funkelnden Wein'; beliebt auch seine Romanzen: „Der reichste Fürst'»„Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe" u. a.
Gustav Schwab hat sich namentlich in der Ballade und poetischen Erzählung her-vorgethan; von ihm sind die Gedichte: „Das Mahl zu Heidelberg', „Das Gewitter",„Der Reiter und der Bodensee" rc.
6. Dichter der neuesten Zeit. Von den jüngeren Dichtern entnahmeneinige den wenig befriedigenden Zuständen unseres staatlichen Lebens nament-lich in den dreißiger und vierziger Jahren ihre Stoffe: es waren im Gegen-