301
griechische Baukunst auf nordischem Boden heimisch zu machen, hervorzubringen überhauptimstande war. Zu sehr Künstler, um sich mit einer bloß äußerlichen Nachahmung zu be-gnügen, wollte er so bauen »wie die alten Griechen, wenn sie unter uns lebten, gebauthaben würden'. Unter seinen Bauten treten namentlich hervor: die Könkgswache, daskönigliche Schauspielhaus und das (alte) Museum, sämtlich in Berlin. In Münchenwirkte Klenze, der dort die Glyptothek, die Pinakothek und den Neuen Königs-bau, die Ruhmeshalle, die Propyläen, bei Regensburg die Walhalla (Taf. VII,7)aufführte.
Die mittelalterliche Kunst des romanischen Stils und der Gotik wurde zunächstwieder aufgenommen durch Gärtner, der die romanische Lud wigskirchein Münchenerbaute, während gleichzeitig andere Meister in München die schöne gotische Mariahilf-Kirche in der Vorstadt Au und die großartige Bonifatius-Basilika (nach alt-christlichemMuster) errichteten; ferner durch Zwirner, der den Ausbau des Kölner Domes(Taf. VI, 1 und VII, 1) leitete. In Marienburg wurde das Hochmeisterschloß desDeutschen Ordens (Taf. VII, 3, VI, 10) in seiner alten Pracht wiederaufgerichtet.
Eine neue Wendung erfuhr die Baukunst durch Semper (Theater in Dresden);die Renaissance trat mehr und mehr in den Vordergrund.
Neue schöne Fürstenschlöffer erstanden in Braunschweig und Schwerin, während dieSchloßbauten des Königs Ludwig II. von Bayern durch beispiellosen Prunk Aufsehen er-regen. Endlich wurden durch die Anlegung von Eisenbahnen manche gewaltigen und kunst-reichen Bauten hervorgerufen.
2. Die Bildhauerkunst hatte im Anfange des 19. Jahrhunderts einen trefflichenMeister in dem Württemberger Dannecker, unter dessen Werken die Statue »Christusder Weltlehrer' hervorragt, sowie die kolossale Marmorbüste Schillers, in welcher derKünstler seinen berühmten Landsmann und Freund „ledig' zu machen suchte. Er wurdeübertrafst» durch den großen Dänen Thorwaldsm (gest. 1844), dem der Ruhm gebührt,die ideale Schönheit der altgriechischen Bildwerke wieder in die Kunst der neuen Zeit ein-geführt zu haben. Unter seinen zahlreichen Schöpfungen haben namentlich „der Alexander-zug", „Christus mit den Aposteln', ferner „der sterbende Löwe' bei Luzern allgemeineBewunderung gefunden. Auch die Standbilder Gutenbergs in Mainz und Schillers inStuttgart hat er gefertigt.
In Berlin wandte sich der ältere (Gottfried) Schadow vorzugsweise der Dar-stellung preußischer Feldherren (Zietens, des alten Dessauers rc.) zu; auch wurde dieSiegesgöttin mit dem Viergespann auf dem Brandenburger Thor von ihm modelliert.Gleichfalls in Berlin arbeitete Rauch (gest. 1857), der unter Deutschlands Bildhauern amnächsten an Thorwaldsens Größe hinanreicht. Eins der frühesten und schönsten seinerWerke ist die Gestalt der im Todesschlummer ruhenden holdseligen Königin Luise imMausoleum zu Charlottenburg; dann schuf er für Berlin die Marmor- und Erzstandbilderder Helden des BefreiungskriegesScharnhorst, Bülow, Blücher, AorkundGneise-nau; den Höhepunkt seines Ruhms erreichte er jedoch durch das KolossaldenkmalFriedrichsdesGroßen (Taf. VII, 6), in welchem er den königlichen Helden darstellt,wie er hoch zu Roß über die ihn umgebende Schar seiner Feldherren und der geistigenHeroen seines Zeitalters als der alles Beherrschende emporragt. Eine Anzahl trefflicherSchüler schloß sich dem Meister Rauch an; der bedeutendsten einer war Rietschel inDresden, der das Lessingdenkmal in Braunschweig, die Statuengruppe „Goethe undSchiller' für Weimar schuf und für Worms die Anfertigung des Lutherdenkmalsunternahm. — Eine wunderbare Leichtigkeit der Erfindung, überall mit Anmut vereinigt,