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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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-entfaltete Schwanthalcr namentlich in den zahlreichen Bildwerken, mit welchen er dieGiebelfelder der Kunsttempel und die Prachtsäle der Schlösser in München geziert hat;sein 1850 vor der Ruhmeshalle bei der Stadt aufgestelltes (19 in hohes) Riesenstandbildder Bav aria hatte seit dem Koloß von Rhodus in der Erzgießerkunst nicht seinesgleichenund wird jetzt nur von dem 1875 vollendeten Arminiusdenkmal von Bändel anHöhe übertroffen. Ein vaterländisches Denkmal, das den beiden letztgenannten anMassen-haftigkeit zwar nachsteht, an wirkungsvoller Schönheit vielleicht überlegen ist, hat inunseren Tagen Schilling in Dresden geschaffen: das Siegesdenkmal auf demNiederwald. Ohne Zweifel hat dieses herrliche Erzbild auf der luftigen Bergeshöheam Rheinstrom (1883 enthüllt) unter den neuesten Werken unserer Bildhauerkunst die all-gemeinste und freudigste Anerkennung bei dem deutschen Volke gefunden, nicht sowohl umseines hervorragenden Kunstwertss willen, sondern weil es, dem Dichterwort:Sie sollenihn nicht haben, den freien deutschen Rhein" eherne Wucht und Dauer leihend, das stolzeVaterlandsgefühl ausspricht, daß das neue deutsche Reich vor keinem äußeren Feinde sichfürchtet.

3. Die Malerei. Das Emporblühen der Malerei wurde durch einige junge begabteKünstler angebahnt, die zu ihrer Ausbildung nach Rom gekommen waren und sich dortin dem Gedanken zusammenfanden, im Geiste des Altmeisters Dürer der Malerei «zuEhren Gottes und des deutschen Vaterlandes" eine neue und höhere Richtung zu geben.Es waren Cornelius, Overbeck, Veit und der jüngere (Wilhelm) S chadow. Siemalten 1816 gemeinsam die (biblische) Geschichte Josephs als Wandschmuck der CasaBartholdy in Rom (jetzt in Berlin), ein Werk, mit dem die Wiedergeburt der deutschenMalerei begonnen hat. Peter (von) Cornelius (17831867), der größte der neueren deut-schen Maler, führt uns in seinen Kunstschöpfungen außer den Heiligtümern des christlichenGlaubens auch die nationalen Helden des Nibelungenlieds sowie die Gestalten der grie-chischen Götter- und Heroenwslt vor.

An künstlerischem Ruhms kommt dem großen Meister am nächsten sein SchülerWilhelm (Von) Kaulbach (gest. 1874), der gleichfalls in München und Berlin thätig war.Sein berühmtestes Werk sind die sechs großen Gemälde im Treppenhause des Neuen Mu-seums zu Berlin, welche den Turmbau zu Babel, die Welt der Griechen, dieZerstörung Jerusalems, die Hunnenschlacht, die Kreuzzüge und die Re-formation darstellen.

Der Düsseldorfer Malerschule, welche namentlich die Ölmalerei ausbildete,gehört neben dem Leiter W. Schadow (s. o.) an: Lessing (gest. 1880), dessen wirkungs-volle Bilder namentlich aus der Geschichte von Huß zu den ausgezeichnetsten Kunstwerkenzählen. In Weimar malte Preller seine herrlichen Odysseelandschaften.

§ 156 .

Die deutsche Wissenschaft.

Der Aufschwung, den, gleichzeitig mit der Dichtung, die deutscheWissenschaft im Zeitalter Friedrichs des Großen genommen hatte, dauertein gesteigerten! Grade in der neuesten Geschichtsperiode fort. Der Geist derRomantik berührte auch die wissenschaftliche Forschung, die durch ihn mancheneue Anregung erhielt. Namentlich

1. die deutsche Sprach-und Altertumskunde wurde erweitert und vertieft,ja völlig neu gestaltet. Unvergängliche Verdienste um die allseitige Erforschung des Reich-