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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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fürsten die alte Anwartschaft auf Pommern (von den Schweden besetzt) zusicherte,trat Georg Wilhelm nach der Niederlage von Nördlingen von den Schwedenzurück und dem Präger Frieden (1635) bei. 1637 starb das pommerscheHerzogshaus aus. Roh wies Bane'r den kurfürstlichen Herold mit dem Besitz-ergreifungs - Schreiben zurück. Entsetzlich wüteten die Schweden in denMarken des von ihnen abgefallnen Kurfürsten (Zuflucht in Preußen). Aberauch die Kaiserlichen schonten das Land nicht. Als Georg Wilhelmstarb, waren die Marken ein ödes Trümmerfeld.

2. Jugendzeit des Großen Kurfürsten.

Geboren 1620, ein Neffe des Schwedenkönigs Gustav Adolf, aufgewachsen in denGefahren der Kriegszeit, kam er mit 14 Jahren nach dem blühenden Holland. Hier1688) lernte er, was ein kleines, aber tüchtiges, ausdauerndes VolkunteriveiserFührungvermag. Er studierte in Leiden und lebte dann einige Zeit andem Hofe des kriegskundigen und staatsweisen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien.Den Verführungen des üppigen Hoflebens widerstand er (Ich bin es meinen Eltern,meiner Ehre und meinem Lande schuldig") und ging lieber ins Kriegslager zur Freudsdes Prinzen (Wer sich selbst besiegt, der ist zu Großem fähig"). Der Plan der Vermählungmit Gustav Adolfs Tochter wurde vereitelt; Friedrich Wilhelm vermählte sich (1646)mit der hochgebildeten, frommen Luise Hsnriette, der Tochter Friedrich Heinrichsvon Oranien.

3. Schwerer Ansang. Der kraftvolle junge Kurfürst FriedrichWilhelm sicherte sich zunächst die Belehnung mit Preußen (unterdes starbGraf Adam von Schwarzenberg 1641) und suchte dann die öden und wehr-losen brandenburgischen Marken zu schützen. Sein deutscher Sinn ließes nicht zu, daß er sich leichtsinnig vom Kaiser trenne, doch wußte er, daß vomKaiser keine rechte Hilfe gegen die Schweden zu erwarten war, die ihn bedrohten.In dieser mißlichen Lage schloß er mit den Schweden Waffenstill-stand (1641), beschwichtigte den Kaiser, entließ die (von Schwarzenberg)auf den Kaiser verpflichteten Truppen und bildete aus den ihm ergebenen einstehendes Heer von 8VOO Mann (mit geregelter Besoldung, Verpflegung undstrenger Mannszucht). Nun fühlte er sich stark genug, zwischen Kaiser undSchweden eine neutrale Stellung zu behaupten. Das verschaffte bei denFriedensverhandlungen zu Osnabrück seinen beharrlichen Forderungenviel Gewicht; er erlangte eine Erweiterung seines Gebietes um 500 Ouadrat-meilen. Die Schweden mußten ihm 1648 wenigstens einen Teil Pommernsüberlassen.

4. Unabhängige Herrschaft in Ostpreußen. Das HerzogtumPreußen war polnisches Lehen. Als der schwedische König Karl X. mitdem König von Polen in Krieg geriet, entriß er zunächst Preußen dem polni-schen Könige, indem er den Großen Kurfürsten zwang (zu Königsberg), ihm alsneuem Lehnsherrn von Preußen zu huldigen. Jeder der beiden Königeaber bedurfte des Großen Kurfürsten Hilfe. Dieser handelte nach demVorteileseinesLandes. Er schloß sich zunächst den übermächtigen Schwedenan, so zornig die Polen auch darüber waren, und zog nach einer siegreichen Schlachtin Warschau (1656, Juli) ein. So hoch schätzte nun der Schwedenkönigdie weitere Hilfe der tapferen Brandenburger, daß er dem Großen Kurfürsten in