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Schulen und sah u. a. sorgfältig nach dem Zustande des Schulhauses. So gab er dendamaligen Gutsherren ein leuchtendes Beispiel, wie sie in ihren Guts-dörfern sich der Bildung der Jugend annehmen sollten. DieWissenschaften und Künste galten vor dem Könige nur, soweit sieersichtlich nützlich schienen. An die Akademie der Wissenschaften schrieber: „Wendet allen Fleiß an, die Natur und deren Kräfte zu erkennenund euch auf solche Erfindungen zu verlegen, welche der Welt zu wahrem Nutzengereichen und sich nicht in Windmacherei und falschen Träumen auf-halten." Zugleich überwies er ihr 2000 Werke der königlichen Bibliothek.
7. Geist der Hingabe aus Vaterland, — Von allen Ständen ohneUnterschied verlangte er (oft heftig, hart, gewaltsam), daß sienicht an sich, sondern immer zuerst an das allgemeine Wohl dächten.Er selbst handelte danach. In hochherzigem Sinne erklärte er schon im ersten Jahreseiner Regierung die Güter, deren Ertrag bisher in des Königs Schatulle geflossen,als Staatseigentum.
Die LchNgÜter steuerfrei zu lassen, erschien dem Königs als eine unbillige Be-lastung der andern Steuerzahler. Er erklärte deshalb (1717) alle Lehngüter zuErbgütern und verwandelte das „Lehnpferd" in eine feste Grundsteuer. Dermagdeburgische Adel verklagte ihn in Wien; der Kaiser richtete eins herrischeDrohung an den König. Dieser aber ließ unerschütterlich die Steuer eintreiben undwiderstand ebenso fest dem ostpreußischen Adel, der einen festen „Hufenschoß" als denRuindesLandes bezeichnete. („Aber der Junker ihre Autorität Niposwollam*)wird ruiniert werden." „Ich komme zu meinem Zweck und stabiliere die Souve-ränität und setze die Krone fest wie einen rocdsr von bronre.")
8. Das preußische Heer. — Seine Hauptsorge aber widmete der König demKriegsheere (seinen „lieben blauen Kindern"). Täglich wohnte er ihren Übungen bei.
Eine besondere Freude hatte er an „langen Kerls"; sein Potsdamer Leibregimentbestand aus lauter Riesen. Diese waren zur Hälfte aus aller Herren Länder geworben,oft mit List und Gewalt herbeigebracht. Viele ertrugen die harte Behandlung nur un-gern und suchten zu „desertieren". Wurden sie gefangen, so mußten sie Spießruten laufen.
Diese Garde, sowie das ganze Heer, dessen Zahl er verdreifachte (zuletzt83 000 Mann), wurde mit der größten Sorgfalt und Strenge einexerziert, wobeiihm sein Freund, der Feldmarschall Fürst Leopold von Dessau, der berühmte„alte Dessauer", vorzügliche Dienste leistete (eiserner Ladestock; Gleichschritt).Die Offiziere ernannte der König selbst. Er duldete nur solche, welche tüchtigim Dienst waren, ihre höchste Ehre in rechter Pflichterfüllungsuchten und unbedingt gehorchten. Der König verlangte viel vonseinen Offizieren, aber er ehrte sie auch, trug selbst stets die Offiziers-uni f o r m (statt eines Galakleides) und verkehrte mit seinen Offizieren in kamerad-schaftlicher Weise. Das ganze preußischeVolk ward damals von demstraffen soldatischen Geiste durchdrungen, den die Hohenzollern biszu dieser Stunde gepflegt haben.
9. Erwerbung Vorpommerns. — Im nordischen Kriege besetzten die Russendas schwedische Pommern. König Friedrich Wilhelm setzte es durch, daß sie wichen undihm Stettin gegen Entschädigung ihrer Unkosten in Verwahrung gaben (1713). Karl XII.
*) Jedem Mitgliede des polnischen Reichstages stand es frei, durch sein blis por-rvolaw (-^ ich erlaube es nicht) einen rechtsgiltigsn Beschluß zu hindern.