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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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aber war trotzköpfig und verlangte Stettin zurück, ohne jene Entschädigung vergütenzu wollen. Da brach der Krieg aus. Rügen (1715) und Stralsund wurden von FriedrichWilhelm durch Leopold von Dessau in heldenmütigem Kampfe erobert. 1720 trat Karls XII.Nachfolgerin im Friedensschlüsse Vorpommern bis zur Peene an Preußen ab.Die wichtige Seefsstung Stettin fiel nun an Preußen (Karte X).

10. König Friedrich Wilhelm und Kaiser Karl VI. (17111740).Friedrich Wilhelm hatte sich seit 1726 (durch den Vertrag zuWusterhausen) eng anden Kaiser angeschlossen. Er hatte die pragmatische Sanktion anerkannt.Er hatte die Verbindung mitEngland gelöst und dadurch die Wünscheseiner Kinder und seiner Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover geopfert. Erhatte auch im polnischen Thronfolgekriege für den Kaiser Partei er-griffen. Nun schloß der Kaiser ohne weiteres Frieden (1735, definitiv 1738) undgab, ohne die Reichsstände zu fragen, ein Reichsland (Lothringen) an die Fran-zosen. Ja, er sicherte im Verein mit den letzteren dieErbfolge im HerzogtumBerg, die er Friedrich Wilhelm durch Vertrag seit 10 Jahren zugesprochen,einem andernFürstenhause, denn er wollte Preußen niederhalten. Erbittertüber solche Treulosigkeit, wies der König auf den Kronprinzen:Da steht einer,der mich rächen wird."

11. Königliche Fürsorge für Arme und Bedrängte. Für die kleinenLeute, die des Schutzes am meisten bedurften, sorgteKönig FriedrichWil-helm ganz besonders. In der Teurung kurz vor seinem Tode ließ er dieMagazine öffnen, um den Hungernden Brot zu spenden. Manche Beamten miß-brauchten bei ihren Reiftr das Recht, von den Bauern Vorspann-pferde zu fordern. Da schrieb der König:Ich will nicht, daß die HerrnBeamten in den Provinzen mit meiner Bauern Pferden spazieren fahren." Un-gesetzliche Behandlung der hörigen Bauern durch ihre Gutsherrenverbot er aufs schärfste. Auf den Domänen ging er mit dem besten Beispiel voran.

Hier wurde angefangen, die Leibeigenschaft in Gutsunterthänigkeit um-zubilden. Die Generalpächter sollten die Bauern nicht mehr als einen Tag in der Wochezu Diensten heranziehen und so dafür sorgen, daß die Bauernder Landesherrschaft dasihrige abtragen, für sich selbst aber auch was schaffen". Der Beamte, welcher dieBauernmit Schlägen hart und sklavisch traktiert", soll mitFestungsarbeitbelegt, und derjenige, welcher solche Übertretung der Beamten duldet, sollkassiert werden".

12. Das Ende rastloser Königsarbeit. Der äußerst kräftige König hatsich in seiner Königsarbeit aufgerieben. Einst legte er bei einer Be-sichtigungsreise in sechs Tagen 86 Meilen zurück; dabei prüfte er in 60 Ämternund Städten, ob alles in Ordnung sei. Da erkrankte er an der Fußgicht. DieselbeKrankheit führte sechs Jahre später seinen Tod herbei.Mein Gott, ich sterbe zu-frieden, weil ich einen so würdigen Sohn zum Nachfolger habe," sagteer in seinen letzten Stunden. Am 31. Mai 1740 verschied dieser König, demPreußen viel von der Größe verdankt, die es später erlangt hat.

§ 116. R. Z 56. O. § 57.

Friedrich der Große. Seine landesväterliche Regierungin der Friedenszeit.

I. Die erste Regierungszeit.

Als er den Thron seiner Väter bestieg, begann er die segensreiche Königs-arbeit fast eines halben Jahrhunderts. Er trat als strenger Selbstherrscher