Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
338
JPEG-Download
 

338

für die Seide im Lande zu behalten. Die Verbesserung der Schafzucht durchMerinowidder aus Spanien führte einen Aufschwung der einheimischen Erzeugungvon Wolle herbei. Allerdings fehlte den Bauern die Zeit und die rechteLust zu Verbesserungen, da sie mit Leistungen für die Gutsherrn überlastet undpersönlich zumeist noch unfrei waren. Doch suchte der König die Lage derBauern möglichst zu mildern.

Es befehlen Se. Majestät., eine Untersuchung anzustellen, ob nicht eingerichtet

«erden könne, daß anstatt daß der Bauer jetzo die ganze Woche hindurch dienenmuß, derselbe die Woche über nicht mehr als drei oder vier Tage zu Hofe dienendürfe. Es wird dies zwar anfangs etwas Geschrei geben, aber .... alle vernünftigenGutsherren werden hoffentlich .... in diese Veränderung ohne Schwierigkeit willigen,da .... der Bauer in den wenigen Tagen ebenso viel und vielleicht noch mehr oder besserarbeitenwird, als er vorhin in den vielen Tagen gethan hat." (Instruktion für das General-direktorium. 1748.)

4. Industrie und Handel. Der König war besonders auf Einführungneuer Erwerbszweige bedacht (Kattundruckerei, Baumwollspinnerei und -Weberei;Unterricht durch fremde Arbeiter; Schutz durch das Verbot fremder Erzeugnissedieser Art) Bei dem Getreidehandel hinderte der König wucherische Aus-beutung wie sein Vater (S. 18,4). Der Binnenverkehr ward durch neue Kanälegefördert (der Plauesche Kanal: Havel Elbe; Finowkanal: Havel Oder;Swinekanal). Damals blühte Stettin durch den Oderhandel auf.

Viel mehr als die damals noch wenig entwickelte deutsche Litteratur zog denKönig die deutsche Musik an (Seb. Bach, Graun, Händel). Er schrieb (infranzösischer Sprache) dieGeschichte seinerZeit (I/distoirs äs mon towxs),auch die der beiden ersten schlesischen Kriege. Berlin verschönerte er durcheine Reihe hervorragender Kunstbauten (Opernhaus, Domkirche). (Der französischeDichter Voltaire, von 17501753 als Gast am Berliner Hofe, dem Königesehr erwünscht zum Studium der französischen Sprache, konnte seiner niedrigen Ge-sinnung und seiner boshaften Ränke willen nicht länger geduldet werden.) Gernförderte der König die Errichtung der ersten Realschule in Berlin (1747)durch den Prediger Hecker; im folgenden Jahre ward einKüster- und Schul-meister-Seminarium für die Kurmark" mit dieser Schule verbunden.

Die Evangelischen in Schlesien erbauten sich in dieser Zeit über 200 neueKirchen. Den Katholiken gestattete der König den Bau der Hedwigskirchein Berlin. Evangelische und Katholiken sollten vordem Gesetz gleich sein.Doch verlangte Friedrich von allen Konfessionen unbedingte Unterwerfung unterdie Staatsgesetze.

5. Der König unter seinem Volke. Jedes Jahr bereiste der König die Pro-vinzen. Hohe und niedere Beamte mußten Rechenschaft über ihre Thätigkeit geben. AuchKaufleute und Geschäftsmänner rief der König gern vor sich, um sich nach allen Verhält-nissen des Gewerbes und Handels zu erkundigen und zu sehen, wo er helfen und bessernkönne. Er ermunterte die Landleute, bessere Obstarten zu pflanzen, fleißiger Kartoffelnanzubauen, den Sandboden zu verbessern, den Fruchtwechsel einzuführen oder Sumpf-boden auszutrocknen. Jeder Stand erfreute sich der unermüdlichen Fürsorgedes Königs. Allerdings verlangte der König im Geiste jener Zeit, daßjeder in demKreise b leibe, in den ihn Geburt und Erziehung gesetzt. Aber in seinem Standesollte sich jeder wohl fühlen" (Freytag).