Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
337
JPEG-Download
 

337

auf wie sein Vater (doch ohne jemals einem Günstlinge Einfluß auf seine Ent-schließungen zu gestatten). Er hielt fest an dessen Sparsamkeit und Ord-nung in den Finanzen, an dessen Forderung genauester Pflichterfüllung seitensder Beamten. Aber sein schöpferischer Geist brachte das alles recht zurGeltung, was sein Vater ihm hinterlassen, besonders das Heer. Den Offi-zieren befahl er Milde, den Ministern sorgfältige Beachtung der Interessen desVolkes; die Folter beseitigte er. Indem er Kunst und Wissenschaft ehrte, die Musikpersönlich ausübte (Flötenspiel, Komposition), als Dichter thätig war (französischeGedichte), mit Künstlern und Gelehrten persönlich verkehrte, ja sogar fast freieMeinungsäußerung der Presse gestattete, regte er das geringe geistige Lebenseines Volkes mächtig an.

Vor allem aber hat er die durch Ludwig XIV. begründete verderb-liche Art des Absolutismus durch sein gewaltiges Vorbild ver-drängt und eine neue Art des absoluten Regiments (dieaufgeklärteAbsolutie") begründet. (Ich bin der erste Diener des Staates"-)

II. Bis zum siebenjährigen Krieg e.

1. Landesschutz. Der König vermehrte das Heer von Jahr zu Jahr.Etwa 7000 Mann jährlich wurden immer noch außerhalb des Staates geworben,um die Arbeitskräfte des Volkes zu schonen. Die notwendig strenge Zucht wurdemöglichst gemildert. Vor allem verlangte der König Feldtüchtigkeit und hieltdeshalb jährlich große Feldmanöver. Untüchtige Offiziere wurden schonungslosentlassen. Spiel und Trunk durfte nirgends einreisten.

2. Rechtsschutz. Der König nahm den königlichen Amtleuten auf demplatten Lande die Justizverwaltung; letztere wurde lediglich rechtsgelehrten Richternübergeben. Durch den Justizminister Cocceji führte der König eine Reform derProzeßordnung (6oäex IUckorioianus, 1747) durch (in Pommern, wo siezuerst eingeführt wurde, kamen 2400 alte Prozesse binnen 8 Monaten zur Erledi-gung).Ich habe mich entschlossen, den Gang der Gerichte nie zu stören"; vondiesem Grundsätze wich der König nur ab, wenn es galt, armen, geringen Leutengegenüber einflußreichen Reichen zum Recht zu helfen. Preußen sollte einRechts-staat" sein. (Vgl. III, S.)

3. Wohlstand. Landwirtschaft. Fortgesetzt brachte der König durch allerleiBegünstigungen Ansiedler dazu, die seit dem 30jährigen Kriege wüsten Ge-biete, oder Sand-, Sumpf- oder Waldland urbar zu machen. Nach siebenjährigerschwerer Mühe gelang es, den Oderbruch (etwa 550 gkm) zwischen Frankfurta. O. und Oderberg zu entwässern, in ein durch Dämme geschütztes Ackerland zuverwandeln und S5 neue Dörfer hier zu gründen. (Hier habe ich eine Provinzim Frieden erobert".)

Im Interesse der Landwirte begann der König die Teilung der Ge-meinweide oder des Gemeinwaldes und die Zusammenlegung der Ländereiendurchzusetzen. An die Landräte ergingen genaue Anweisungen zubesseremBe-triebe der Landwirtschaft. Der Eifer wurde durch Prämien angeregt*).Die königlichen Waldungen wurden nach Schlägen eingeteilt, damit der Wald-bestand erhalten bleibe. Den S e i d e n b a u führte der König ein, um das Geld

*) Neu angelegte Kreisgärtnereien lieferten Obstbäume.

Andrä, Grundriß der Weltgeschichte.

22