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Lehrbuch der Tierkunde mit besonderer Berücksichtigung der Biologie : für höhere Lehranstalten und zum Selbstunterricht / von R. von Hanstein
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XI. Klasse: Schnecken, Gasteropoda.

gemeine Schlammschnecke (Lininaea stcignalis), deren Schale je nach derBeschaffenheit ihres Wohngewässers sehr verschieden gestaltet ist: inruhigen Gewässern mit viel Pflanzenwuchs ist es lang und spitz,in bewegtem Wasser ist das Gewinde nicht länger als die Mündung,in größeren Seen, mit stärkerem Wellengang bleibt es noch kürzer.Die Tiere kriechen mit aufwärts gekehrter Sohle gleichsam an derOberfläche des Wassers entlang, während der Körper sich unter Wasserbefindet. Man hat dies dadurch erklärt, daß die Sohle dabei in derMitte etwas eingezogen und so ein Luftraum erzeugt werde, der dasTier an der Oberfläche hält; vielleicht sondern sie auch, gleich denLandschnecken, eine dünne Schleim Schicht ab, die sie schwimmenderhält. Manche in tieferen Seen nahe dem Grunde lebende Schlamm-

Pig. 385. 1. Gemeine Schlammschnccke (Lininaea stagnalis).

II. Große Tellerschnecke (Planorbis corneus).

Schnecken kommen nicht zur Atmung an die Oberfläche, obwohl siekeine Kiemen haben. Ebenso verhalten sich die jungen Tiere allerWasserlungenschnecken. Es beweist dies, daß diese Schnecken unterUmständen auch die im Wasser befindliche Luft ausnützen können.Die Eier der Schlammschnecken werden, durch eine Gallertmasse zuwurstförmigen, etwa 3 cm langen Laichstreifen vereinigt, an Wasser-pflanzen abgelegt.

Auch die durch ihr kurzes Gewinde und ihre sehr breite Mündungausgezeichnete Ohrschlammschnecke (L. auricularis) ist weit verbreitet. Die kleinereZwergschlammschnecke (L. truncatula), deren gelblichbraunes, stumpferes Ge-häuse etwa 1 cm lang wird, ist wichtig als Zwischenwirt des Leberegels (§ 239).Verwandt sind die allenthalben häufigen Teller- oder Posthornschnecken.