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Lehrbuch der Tierkunde mit besonderer Berücksichtigung der Biologie : für höhere Lehranstalten und zum Selbstunterricht / von R. von Hanstein
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Geographische Verbreitung der Tiere.

traten zu Anfang der Tertiärzeit fünfzehige, mit der Sohle auftretendeTiere von Marder- bis Bärengröße, deren Gebiß dem der Schweineähnlich war (Condylarthren); die Stelle der Raubtiere andere, ihnenim Schädelbau ähnliche, in der Bildung des Gebisses aber abweichende,fleischfressende Tiere, die Kreodonten. Eine gleichfalls ganz aus-gestorbene Säugetierordnung bilden die' mit starken, denen der Nagetiereähnlichen Schneidezähnen und vollständigem Gebiß versehenen Tillo-donten. In den späteren Zeiten der Tertiärformation erreichtennamentlich die Huftiere eine außerordentlich hohe Entwicklung.Außer den jetzt lebenden Ordnungen, von denen namentlich die jetztviel weniger zahlreichen Unpaarzeher (§ 36, 37) durch viele Artenvon zum Teil gewaltiger Größe vertreten waren, lebten noch ver-schiedene Huftierfamilien, die keiner der jetzt noch lebenden Ord-nungen angehören. Besonders wichtig ist jedoch, daß während desgrößten Teils der Tertiärzeit die Säugetierfauna von Nordamerika undEuropa noch viel ähnlicher war als jetzt und daß beide viele Tier-formen enthielten, die heute auf die tropischen Teile Afrikas oderAsiens beschränkt sind. So lebten damals in Nordamerika und EuropaElefanten (§ 30), Kamele (§ 35), Wildpferde (§ 36) und Halb-affen (§ 10), große Wildkatzen von Löwengröße und zahlreicheB euteltiere.

Dagegen wurde Südamerika von einer ganz anderen Säugetier-welt bewohnt. Auch hier lebten große Huftiere, zum Teil von derGröße der heutigen Nashörner, aber ihr Fußskelett zeigt einen ganzanderen Bau, als das aller übrigen Gruppen. Schon damals bewohntenneben Beutel- und Nagetieren zahlreiche Zahnarme jenes Gebiet,deren in der Diluvialzeit lebende Arten zum Teil gleichfalls die Größeeines Elefanten erreichten. Diese Befunde zeigen uns deutlich, daßSüdamerika wenigstens während des größten Teils der Tertiärzeit vonNordamerika getrennt war und ein Festland für sich bildete, so daßein Ueberwandern von Landtieren aus einem Gebiet ins andere nichtmöglich war.

4. Die Tiergelbiete der Erde.

§ 311. Aus dem Vorhergehenden erklärt es sich, daß die Säuge-tierwelt Südamerikas noch heute von der aller übrigen Erdgebietewesentlich verschieden ist. Trotz der weiten Steppengebiete, diezahlreichen Huftieren reichlichen Lebensunterhalt geben würden, sind seit dem Aussterben der oben erwähnten Ordnungen einheimischeHuftiere in diesen Steppen nicht vorhanden. Die jetzt dort vor-