Band 
Erster Kursus.
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Lykurg 888 vor Chr.

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schweigend den Bürgern sein blutiges Gesicht. Bei diesem Anblicke wurdensie von Scham und Reue ergriffen; sie überlieferten den Thäter an denGesetzgeber und begleiteten diesen unter Äußerungen der Teilnahme nachHause. Lykurg war mit solcher Sühne zufrieden, entließ die Menge undnahm den Räuber seines Auges mit in sein Haus. Zerknirscht und er-bangend stand der Jüngling vor dem Verletzten. Dieser aber sagte ihmkein hartes Wort, entfernte nur seine gewöhnlichen Diener und ließ denAlkander deren Dienste verrichten. Der Jüngling vollzog gehorsam dieBefehle seines Herrn und lernte bald den großen Mann so schätzen, daßer mit Liebe an ihm hing und allen das Lob des Lykurg verkündete.

2. Lykurg wollte sein Volk zu tapferen Kriegern erziehen, daher Erziehung,wurden alle frühzeitig fort und fort im Laufen, Ringen, Werfen geübt.

Diese Übungen wurden in leichter Unterkleidung angestellt und dieÜbungsplätze hießen daher Gymnasien Der Staat sollte überhaupt nuraus gesunden und kräftigen Bürgern bestehen. Deshalb wurden bloßkräftige Kinder aufgezogen, schwächliche dagegen in eine Kluft geworfen.

Die Erziehung war streng und abhärtend: die Kinder wurden leichtgekleidet, an geringe Kost und pünktlichen Gehorsam gewöhnt.

Sobald die Knaben das siebente Jahr erreicht hatten, entzog sie derStaat der elterlichen Erziehung und nahm sie unter seine eigene Aufsicht.

Von nun an ließ man sie beständig zusammen leben, mit einander essen,spielen und lernen. Lesen und Schreiben lernten sie nur zur Notdurft;dagegen vor allem Gehorsam gegen die Oberen, Bescheidenheit gegen ältereLeute, Ausdauer unter Mühseligkeiten, Sieg im Kampfe. Büt den Jahrenhielt man sie immer strenger; man ließ sie jederzeit barfuß gehen, nackendspielen, Hunger und Durst, Frost und Hitze, sowie alle Anstrengungenertragen. Die Streu, auf welcher sie schliefen, mußten sie sich selbst zu-sammentragen und das Schilf dazu, welches am Flusse Eurotas wuchs,mit der bloßen Hand knicken. — Selbst die Mädchen härtete man durchWettlauf und Ringen ab, damit sie spartanischer Männer wert wären.

Bei den Spielen priesen die Jungfrauen die Thaten der würdigsten Jüng-linge und spotteten der Schwachen und Feigen.

Feigheit war die größte Schande und Flucht in der Schlacht ehr-los. Deshalb gab eine spanische Mutter ihrem Sohne, als er in denKrieg zog, den Schild mit den Worten: „Mit ihm oder auf ihml^."

— Als eine Spartanerin die Nachricht erhielt, ihr Sohn sei gefallen,fragte sie rasch: „Und er hat gesiegt?" Als man ihr das bejahte, fuhrsie fort: „Nun dazu habe ich ihn geboren, daß er für sein Vaterland zusterben wisse!" — Die spartanischen Schwerter waren kurz, „denn", sagteeinst ein Spartaner, „wir lieben es, dem Feinde nahe zu sein." — EineSchlacht war ihnen ein Fest; geschmückt und mit fröhlichem Schalle derFlöten zogen sie in das Treffen.

Weil ein guter Kriegsmann auch gewandt und klug sein muß, leiteteman die Knaben frühzeitig zur List und Verschlagenheit an. Man gab

'Gymnasien von dem griechischen Worte xz-mvos (nackt, leicht gekleidet).Zu Athen verband man mit diesen Gymnasien auch Übungen in der Bildung desGeistes und davon haben unsere Gelehrtenschulen den Namen „Gymnasien".

2 Es war griechische Sitte, den siegreich Gefallenen auf seinem Schildevom Schlachtfelde zu tragen.