Die Sage von Gudrun.
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perliche Übung zu großer Kraft. Einst fuhr ein großes Meerschiff vorbei,das rief er an; die Schiffer nahmen ihn samt den drei Jungfrauen anBord und brachten ihn wieder in seine Heimat. Hier empfing er von Hagenseinem Vater die Regierung und machte dann Hochzeit mit der lieblichenHilde aus Indien (S. 40), der ältesten der drei Königstöchter. ^ ^
Um Hagens schöne Tochter, welche gleichfalls Hilde hieß, bewarben sich Hilde dieviele Fürsten. Allein der Vater wollte sich von seinem Kinde nicht trennen jüngere,und gab abschlägigen Bescheid. Da beschloß Hettel, der junge Friesen- Hettelskönigst um die holde Maid zu freien. Doch kam er nicht selber, sondern Werbung,versuchte den Weg der List. Er sandte drei Boten aus: den sangeskundigenHorand, den klugen, freigebigen Frute und den tapferen, breitbärtigen SeineWate. Sie gaben sich für landesflüchtige Kaufleute aus und gewannen Boten,durch kluge Worte und herrliche Gaben bald das Vertrauen des Königs unddas Wohlwollen der fürstlichen Frauen. Aber die höchste Gunst errangHorand mit seinem süßen Gesang. Als er beim Sonnenaufgang seine Stimmewiederum ertönen ließ, daß die Vöglein ihr Morgenlied vergaßen, die Tiereim Wald ihre Weide stehen ließen und die Fische im Wasser ihre rastloseFahrt unterbrachen, da sprach die entzückte Hilde zu ihrem Vater: „Lieb'
Väterchen, heiß ihn singen mehr"! Endlich gewann Horand die Jungfrau Hettelfür den, welcher die Boten gesandt hat; sie ging heimlich mit ihnen zu Schiffe undund wardHettels Verlobte. Hagen aber eilte den Flüchtigen nach, und es kam Hübe-zu hartem Kampfe. Allein bald folgte Versöhnung und eine fröhliche Hochzeit.
2. Hettel und Hilde hatten zwei Kinder, Ortwein und Gudrun. Gudrun.Ortwein wuchs unter des alten Wate Zucht zum Ritter heran; Gudrunaber erblühte zu einer Jungfrau von wunderbarer Schönheit. Um sie warbHartmut, der junge Normannenkönig st Ludwigs Sohn, aber er wurde, Hartmut.wie andere Freier, von Hettel aus alter Feindschaft der Geschlechter abge-wiesen. Darauf kam Herwig, der König von Seeland', und erkämpfte sich Herwig,durch Heldenmut die Liebe der holden Maid; doch wurde die Hochzeit nochum ein Jahr aufgeschoben.
Bald darauf unternahmen Vater und Verlobter einen Kriegszug in ein Entführungfernes Land. Während ihrer Abwesenheit kommt der verschmähte Hartmut Gudruns.und führt Gudrun mit vielen Frauen und Jungfrauen, unter letzteren dietreue Hildburg, von danncn.
Sofort machten Hettel und Herwig mit ihren Feinden Frieden und setz- Wnlpen-ten den Räubern nach. Auf dem Wulpensande, einer Nordseeinsel, kam fand.es zu einem furchtbaren Kampfe: bis unter die Arme im Wasser stehend,fochten die Helden, und am Strande des Eilandes ward die Meeresflut vomBlute rot. Hettel fiel von Ludwigs Hand; doch Wate rächte seines KönigsTod und zündete, nachdem das Abendrot am Himmel erloschen, mit schnellenSchwertschlägen ein neues Abendrot auf den Helmen der Gegner an.
In der Nacht aber entflohen die Normannen samt ihrer Beute; der Kö-nigstochter und ihren Gespielinnen wurde augenblicklicher Tod gedroht, wennsie einen Hilferuf hören liehen. Trauernd kehrten Herwig und Wate —
> Die Friesen, ein deutscher, zu den Sachsen sS. 78 Anm. 2) gehörenderVolksstamm, wohnten an der Nordsee, zwischen Weser und Niederrhein. — Nor-mannen ;Nordmannen), ein deutscher Dolksstamm, damals in Norwegen, Schwedenund Dänemark. — Seeland, die größte der dänischen (S. 78 Anm. 2) Inseln,zwischen Fünen und Schweden.