Justinran 555.
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Konstantinopel ein furchtbarer Bürgerkrieg aus. In der Rennbahn, wodie Fechterspiele gehalten wurden, hatten sich schon seit längerer Zeit vierParteien gebildet, welche sich durch die Farbe ihrer Gewänder kenntlich mach-ten. Unter Belisar traten nun die Blauen, mit denen sich die „Weißen"verbunden hatten, schroffer den Grünen gegenüber, zu denen sich die „Noten"hielten. Die Vornehmen wie das Volk begünstigten oder verstärkten balddiese, bald jene Gruppe der Kämpfer, so daß es nicht an Unruhen undGewaltthätigkeiten fehlte. Im Jahre 532 aber durchtobten Aufruhr undMord die Straßen der Hauptstadt und legten ihre schönsten Gebäude inAsche! sogar der Kaiser schwebte in Lebensgefahr und wollte schon heimlichentfliehen. Da stellte sein Feldherr Belisar endlich die Ruhe dadurchwieder her, daß er 30 000 Grüne niederhauen ließ.
Darnach erst konnte der Kaiser an auswärtige Eroberungen denken.Zunächst schickte er 534 Belisar mit 15 000 Mann nach Nordafrika, umdiese Provinz für Ostrom, das sich als Erbe von dem untergegangenen West-rom betrachtete, den Wandalen' zu entreißen. Zu der Zeit als Belisar dasVandalenreich angriff, wurde es von dem Könige Gelimer beherrscht. DasVolk, welches dieKraft derVäter in dem warmen Lande verloren hatte, hielt nichtstand, und siegreich zog Belisar in die Hauptstadt Karthago ein. Daflüchtete Gelimer in das Atlasgebirge und verschanzte sich in einem Berg-schlosse! aber die Feinde umringten ihn. Drei Monate ertrug er standhaftseine Not; dann aber schickte er zu den Feinden hinaus und bat ihrenHauptmann, der ein Deutscher war, um drei Dinge: um ein Stück Brod,seiner Hunger zu stillen, um einen Schwamm, seine Thränen zu trocknen,und um eine Harfe, das Lied seines Jammers zu ihren Klängen zu singen.Er erhielt das Verlangte; doch die Not nahm in der belagerten Burg immerzu — endlich ergab er sich. Belisar führte ihn in silbernen Ketten nachKonstantinopel und hielt hier einen glänzenden Triumph. Das vandalischeReich wurde eine Provinz des oströmischen Kaisertums, nachdem es105 Jahre, von 429—534, bestanden hatte.
Ein so rascher und glänzender Erfolg reizte Justinian, seine Waffenauch gegen Italien zu richten, um die Ostgoten' aus demselben zu ver-treiben. Im folgenden Jahre (535) setzte Belisar mit einem Heere von7000 Mann nach Sicilien über und eroberte diese Insel. Nun ging dieHeerfahrt nach dem italienischen Festlande. Die meisten Städte Unteritaliensergaben sich ohne Widerstand, nur Neapel wurde mit Sturm genommen. Dannrückte man auf Rom los, dessen Einwohner aus Haß gegen die Goten den Ost-römern die Thore öffneten (536). In Oberitalien drängte Belisar dieGoten nach ihrer Hauptstadt Ravenna' zurück, belagerte diese Stadt undnahm sie durch List ein (540). — Ehe der siegreiche Feldherr die Goten abervöllig besiegen konnte, wurde er von Justinian abgerufen, damit er die öst-lichen Provinzen (Syrien und Kleinasien) gegen die Einfälle der Perser schütze.
i Die Wandalen, ein deutsches Volk, das ursprünglich am Riesengebirgs wohnte,waren während der Völkerwanderung durch Süddeutschland und Gallien nach Spa-nien gezogen. ' Von den Westgoten gedrängt (vgl. S. 75 Anin. 1), schifften sie 80 000Mann stark unter Geiserich nach Nordafrika und «entrissen dieses Land dem west-römischen Reiche (429). — Die Ostgoten, die sich nach Attilas Tode Ungarns be-mächtigten, hatten später Italien erobert und dort der Herrschaft des Odoaker 493ein Ende gemacht. — Ravenna, S. 75 Anm. 2.
Die Par-teien derRennbahn.
Belisar:Eroberungdes Van-dalenreiches534.
Kampf mitden Ost-goten535-549.