Band 
Erster Kursus.
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Karl der Große 768—814.

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ihrem Gefolge mit Rüstung und Lebensmitteln auf drei Monate zum Kriegs-zuge zu stellen.

Über den großen Angelegenheiten des Reiches vergaß Karl nicht diekleinen seines Hauses. Er durchsah mit Sorgfalt die Rechnungen seinerVerwalter über Einnahme und Ausgabe. Es ist noch eine Anweisung übrig,welche er für diese entworfen. Er bestimmt darin genau, wie Butter undKäse, Honig und Wachs bereitet, wie Wein gepreßt, Bier gebraut, wie vielEier, wie viel Gänse, Enten und Hühner verkauft werden sollen.

Vom Bauen war er ein großer Freund. Von 163 Landgütern undSchlössern, die sein Familieneigentum waren, hat er die meisten gebaut, auchviele Kirchen errichtet und erneuert. Unter den Bauten, die er aufführenließ, zeichneten sich besonders seine, von italienischen Baumeistern errichtetenPfalzen (Paläste) zu Aachen, zu Nimwegen und zu Ingelheim> aus.

Karl war ein echt deutscher Mann, von starkem Körperbau undschlanker Gestalt, sieben seiner eigenen Füße lang; dabei so kraftvoll, daßman von ihm erzählt, er hätte Hufeisen wie Brot zerbrechen können undeinst einen Sarazenen bis auf den Sattelknopf gespalten. Sein Gesicht warmeist heiter, denn er war ein Freund harmlosen Scherzes; seine großen,hellen Augen blickten sanft und wohlwollend, aber wenn er zürnte, glichensie flammenden Feuern. Eine geradlaufende Nase, gesunde Gesichtsfarbe undschwarzes langwallendes Haar zierten sein Haupt. Sein Gang war männ-lich, fest und voll Würde, seine Stimme hell und wohlklingend. Bis in sein68. Lebensjahr wußte er nichts von Krankheit; denn er bewegte sich viel, warein trefflicher Reiter, Fechter und Schwimmer. Sein Hauptvergnügcn wardas Weidwerk, und wenn erdemHof ein Fest bereiten wollte, ließ ereineTreib-jagd anstellen. Alles setzte sich zu Pferde, und unter dem Klänge der Hör-ner und dem Gebelle zahlreicher Hunde ging es hinaus in den grünen Tann,wo mancher heiße Kampf niit Bären, Ebern und Auerochsen bestanden wurde.— In Speise und Trank war Karl mäßig. Speiste er mit den Deinigen, sokamen nur vier Schüsseln auf den Tisch, dabei war Wildbret, am Spieß gebra-ten, seine Lieblingsspeise. Häufig ließ er sich bei Tafel die Geschichten derVorzeitoder alte Heldenlieder vorlesen. Nach dem Essen pflegte er einige Zeit zu ruhen.

In der Kleidung unterschied sich Karl wenig von einem wohlhabendenFranken. Er trug für gewöhnlich leinene Unterkleider und Oberkleider, letzteremit Seide eingefaßt, lederne Hosen, statt der Strümpfe scharlachrote Bindenund lederne Schuhe. Wenn er ausging, bedeckte er sich mit einem grünenMantel, und im Winter schützte er sich gegen die Kälte durch einen Pelz vonFischotter. Stets hing ein großes Schwert mit goldenem Griff an seinerSeite. An Reichstagen und hohen Festtagen kleidete er sich prächtig und trugdann ein langes Gewand, das mit Gold durchwirkt war, Schuhe, mit Edel-steinen besetzt, und einen goldenen Kopfreif (Diadem), strahlend von Edelsteinen.

lich auf Lebenszeit, verliehen war. — Die Könige der germanischen Völker gaben er-oberte Ländereien als Lehen für geleistete Kriegsdienste an ihr Gefolge, und die Em-pfänger oder „Vasallen" waren dafür zur Heeresfolge verpflichtet. Unter ähnlichenBedingungen vergaben dann wieder geistliche und weltliche Große Güter und Rechtean andere, die nun ihre Vasallen wurden, während sie selbst die Vasallen des Königswaren, der als oberster Lehnsherr galt.

> Aachen, S. 95 Anm. 1. — Nimwegen, Stadt im heutigen Holland ander Waal. — Jngelheim, d. i Nieder-Jngelheim, Flecken zwischen Mainzund Bingen am Rhein. Karl baute daselbst 768—774 einen weitläufigen, auf hun-dert Säulen ruhenden Palast, dessen letzte Trümmer 1831 zusammenstürzten.

Karlsäußere Er-scheinung.