Band 
Erster Kursus.
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Mittlere Geschichte.

neunte Mann der Dienstleute in den festen Platz ziehe, hier für sich undzugleich für seine acht Gefährten Wohnung herrichte, wie auch Speicher undVorratskammern besorge; denn der dritte Teil aller Feldfrüchte mußte indie Stadt eingeliefert und dort aufgespeichert werden. Die acht aber, diedraußen waren, bestellten für den in der Stadt das Feld, säeten und erntetenfür ihn und brachten die Ernte in seine Scheuern. So gewöhnte Heinrichdie Sachsen zuerst an das Leben hinter Stadtmauern, und bald bildeten sichhauptsächlich um die größeren Festen und um die Pfalzen und Bischofssitze volk-reiche Städte. Das ist es, warum man Heinrich den„Städteerbauer"genannt hat.. . Heinrich wollte aber den Ungarn nicht bloß Festungen, sondern auch

wesen/ eine wohlgeübte Kriegsmacht entgegenstellen. Damit seine Scharen, diemeist aus schwerem, mit Streithämmern bewaffnetem Fußvolk bestanden, denKampf mit den leichtbewaffneten, berittenen Feinden besser bestehen könnten,lehrte er sie, den Pfcilregen mit den Schilden aufzufangen und den erstenfurchtbaren Stoß der Barbaren mit vorgestreckten Lanzen auszuhalten. Fernerbefahl der König, daß der älteste Sohn eines Grundbesitzers beim Heerbannzu Pferde erschiene, und bildete so eine zahlreiche Reiterei. Dadurch wardder Städteerbauer auch Begründer des Ritterwesens.

Kamille Nachdem Heinrich dies alles geordnet hatte, übte er sein Volk im Er-mit den oberungskampfe gegen die Slaven (S. 98), welche ostwärts von Elbe und

Slaven Saale wohnten und nimmer dem Sachsenvolke Ruhe ließen. Zuerst griff er

928 - 932. pse Heveller zwischen Havel und Spree an, eroberte (928) deren Haupt-feste Brennaboill und bekam damit das ganze Hevellerland in seine Ge-walt. Darnach wandte er sich (929) gegen die Daleminzier? an der Elbe undMulde und unterwarf sie. Auch den Böhmen herzog Wenzel machte er sichnach der Eroberung Prags lehns- und zinspflichtig.

Aber noch einmal erhoben sich die Slaven im Norden von der Elbe

bis zur Oder. Heinrich sendete ein Heer gegen sie, und bei Lenzen^ kam

es zu einer blutigen Schlacht. Mehr als 100000 Wenden sollen gefallensein. Mit diesem Schlage war der Krieg beendigt, das Land zwischen Elbeund Oder unterworfen (929). — Im Jahre 931 gründete Heinrich im Landeder Daleminzier eine Stadt, welche Meißen genannt ward, und Versah sie^ ' mit Festungswerken und Besatzung. Von da aus zog er <932) gegen dieMilzener und Lusizer? und machte deren Land zinspflichtig. — Sohatte Heinrich binnen fünf Jahren die deutschen Marken von der Elbe unddem Böhmerwalde bis zur Oder und dein Riesengebirge erweitert.

3. Unterdessen war der Waffenstillstand mit den Ungarn abgelaufen.Da kamen ihre Gesandten und forderten trotzig den alten Tribut. AberHeinrich gab ihnen jetzt einen räudigen Hund, dem man Ohren und Schwanzabgeschnitten hatte, und entbot ihnen: „wer einen anderen Zins haben wolle,der möge kommen und ihn holen!" Da zogen die Gesandten unter furcht-baren Drohungen ab.

Im Frühlinge des Jahres 933 brachen die Ungarn racheschnaubendin Deutschlan d ein. Schrecken ging vor ihnen her; wer fliehen konnte,

i Brennabor ist jetzt die Stadt Brandenburg an der Havel. — Lenzen,Stadt unweit der Elbe, in der Nordwestspitze der Provinz Brandenburg.

r Die Daleminzier wohnten auf dem linken Ufer der Elbe, d. i. von derNordgrenze des heutigen Königreichs Sachsen bis zum Erzgebirge. — Die Milzenerwohnten am rechten Ufer der Elbe bis jenseits der Lausitzer Neiße, in der späternOberlausitz. — Die Lusizer nördlich von den Milzenern östlich bis zur Neiße, in derspäteren Niederlausitz.