Heinrich IV. 1056-1106.
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Papst die Anklagen der Sachsen sehr erwünscht. In der Unzufriedenheitgegen Heinrich sah Gregor einen Weg, die kaiserliche Macht zu brechen.
Es erschien daher zu Weihnachten des Jahres 1075 in Goslar, woHeinrich Hof hielt, ein pästlicher Legat (Gesandter) und lud den König bin-nen 60 Tagen zur Verantwortung nach Rom, unter Androhung des Bannes,wenn er sich nicht einfände. Heinrich wies den Legaten zurück und beriefdie deutschen Bischöfe nach Worms, woselbst die Absetzung des Papstes (am24. Januar 1076) erklärt wurde. — Darauf sprach Gregor (15. Februaren,, ^gen1076) in einem Konzil (Kirchenbersammlung) zu Rom den Bann über Hein-Heinrich iv.rich aus, entsetzte ihn der Regierung und entband alle seine Vasallen und 1076.Unterthanen von dem Eid der Treue.
Dieser Schritt Gregors rief in Deutschland einen furchtbaren Sturmgegen Heinrich hervor. Die mächtigsten Reichsfürsten fielen von ihm ab,und in ganz Sachsen schlug wilder als je die Flamme des Aufruhres em-por. Als nun Heinrich die Fürsten zu einem Reichstag nach Worms ein-lud, erschien keiner; dagegen versammelten sich dieselben auf EinladungOttos von Nordheim und Rudolfs von Schwaben zu Tribur (Oktober 1076)und erklärten hier: „wäre Heinrich binnen Jahresfrist vom Banne nichtentbunden, so würden sie einen neuen König wählen."
Diese Erklärung brachte den König zu dem Entschluß — um wenig-stens seinen Feinden in Deutschland den Sieg zu verderben — sich vor allemmit dem Papst auszusöhnen und die Lossprechung vom Banne zu erwirken.
Einige Tage vor Weihnachten reiste Heinrich von Spei er ab, nur be-gleitet von seiner Gemahlin, seinem Söhnlcin und einem kleinen Gefolge. LösungEr kam an die Alpen. Hier hatten ihm seine Feinde, denen darum zu thun war, "°'"o77.""daß er im Banne bliebe, den Weg verlegt. Er mußte sich deshalb nach Bur-gund wenden, um über die Seealpen nach Italien zu gelangen. Über ver-schneite, kaum dem kühnen Gemsenjäger gangbare Pfade stieg man mühsamaufwärts. Endlich war der Gipfel erreicht, und man stand vor der abschüs-sigen, glatteisigen Südwand der Alpen. Auf Händen und Füßen krochendie Männer abwärts; die Königin aber und ihre Kammerfrau wurden anden steilsten Stellen in Schläuchen von Ochsenhäuten an Seilen hinabgelassen.
Auf die Nachricht von des Königs Ankunft in Italic» strömten ihmdie Bischöfe und die Großen dieses Landes entgegen und boten ihm ihreHilfe an. Sie meinten, er komme, um den ihnen verhaßten Papst zu züch-tigen. Aber Heinrich wies sie zurück und zog weiter nach Kanossa, woGregor bei der reichen Gräfin Mathilde von Toskana Schutz gesucht hatte.
Da Heinrich keine feindseligen Absichten verriet, so ließ man ihn (25.
Januar 1077) mit seinen wenigen Begleitern ungehindert durch den Eingangam Fuße des Felsens» bis vor das Thor der eigentlichen Burg. Barfuß, dasBüßerhemd über seine Kleider, und heftig weinend, stand der 27jährige Kaiserda im Schnee, vor Kälte zitternd, und pochte wiederholt an die Pforte,flehentlich um Einlaß bittend. Mit der Dunkelheit, die früh hereinbrach,ging Heinrich mit seinen Begleitern in die Herberge, um zu ruhen und zuessen. Noch zwei Tage wiederholte sich das Schauspiel: man sah Heinrichvom Morgen bis zum Abend dastehen, aber die Pforte öffnete sich nicht. Amvierten Tage endlich ließ der Papst, durch Mathilde und die anwesenden italie-
> Die Burg Kanossa (S 110 Am». I) erhob sich auf einem hohe» undsteilen Quarzfelsen, der von drei Mauergürteln umschlossen war.
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