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Neue Geschichte.
lichen eine Furt gezeigt hätte. Hier gingen am folgenden Morgen (24. April)bei einem dichten Nebel die spanischen Hakenschützen' bis an die Brust insWasser, um zur Deckung des Überganges das jenseitige Ufer zu gewinnen;allein sie vermochten nichts gegen das feindliche Feuer. Da sprangen auf einenWink des Kaisers zehn kühne Spanier, ohne Harnisch, den Degen zwischen denZähnen, in den Fluß, schwammen hinüber, entrissen den Sachsen nach einemheftigen Gefecht eine Anzahl Kähne und brachten dieselben glücklich an dasandere Ufer. Während nun die Hakenschützen die Kähne bestiegen und durchihre Schüsse die Sachsen vertrieben, gingen die Reiter, deren jeder einenFußknecht hinter sich aufs Pferd genommen, über den Fluß: dann folgteauch der Kaiser, deffen Pferd jener Bauer am Zügel führte, ferner Ferdi-nand, Moritz und der Herzog Alba, und endlich ging auch das Fußvolk aufeiner von den erbeuteten Fahrzeugen geschlagenen Schiffbrücke hinüber.
Karl stellte sogleich sein Heer in Schlachtordnung. Die Gicht, an welcherer schon damals litt, sah ihm an diesem Tage niemand an; die freudigeAhnung des Sieges schien ihn verjüngt und neu belebt zu haben. Aufeinem andalusischen? Streitroß sprengte er, eine Lanze in der Rechten, durchdie Reihen seiner Krieger; sein vergoldeter Helm und Panzer leuchteten herr-lich in den Strahlen der eben durchbrechenden Sonne, und weithin erkannteman ihn an seiner reichgestickten Feldbinde und karmoisinroten Roßdecke.
Der Kurfürst befand sich gerade in der Kirche (es war der SonntagAi86ricroräiu8 clomiul), als er die Nachricht von der Nähe des Feindeserhielt. Dennoch wartete er erst das Ende der Predigt ab und eilte dannin einem Wagen von dannen, um mit seinem Heere Wittenberg zu er-reichen. Aber auf der Lochauer Heide? wurden die Sachsen (6000Mann) von dem weit überlegenen Feinde eingeholt und zur Schlacht ge-zwungen. Mit dem Kriegsgeschrei: „Hispania, Hispania!" warfen sich diespanischen Reiter, von Moritz und Alba angeführt, auf die sächsischen; diesewurden durch die Mehrzahl überwältigt und brachten ihr eigenes Fußvolkin Verwirrung, so daß bald das ganze Heer sich in ordnungsloser Fluchtzerstreute. Der Kurfürst bestieg?, um schneller entfliehen zu können, einenstarken friesischen Hengst, aber er wurde eingeholt, nach tapferer Gegenwehr,wobei er einen Hieb in die linke Wange erhielt, gefangen genommen undvon Alba vor den Kaiser geführt, der auf seinem Schlachtroß mitten aufder Heide hielt.
Der Kurfürst wollte, nachdem ihm Alba Vom Pferde geholfen, vordem Kaiser niederknieen und seinen Blechhandschuh ausziehen, um dem-selben die Hand zu geben; allein Karl wandte sich unwillig ab, währendalle Umstehenden den Gefangenen, dessen Gesicht und Panzerhemd mitBlut bedeckt waren, voll Rührung betrachteten. „Großmächtigster, aller-gnädigster Kaiser!" sprach der Tiefgebeugte. „So," fiel ihm der stolze Sieger
' Haken oder Hakenbüchsen gehörten zu den ältesten Handfeuerwaffen (S. 1-iOAnin. 2) und erhielten ihren Namen von dem am Schaft angebrachten Haken, mitwelchem sie beim Abfeuern gegen eine Unterlage gestemmt wurden.
2 Andalusien, S. 142 Anm. 2. Die andalusischen Hengste sind noch jetztberühmt. — Die Lochauer Heide erstreckt sich südlich von Lochau, dem jetzigenAnnaburg (letzteres liegt 30 Kilometer von Mühlberg), bis in. die Gegend von Tor-gau. Das eigentliche Schlachtfeld war drei Stunden vom Übergangsort entfernt,zwischen den Dörfern Kosdorf und Falkenberg.
? Johann Friedrich war so beleibt, daß er ein Pferd nur mittelst einer Leiterbesteigen konnte.