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Neue Geschichte.
Majestäts- sogenannten Majestätsbrief, dessen Verletzung die nächste Veranlassung16M öum Dreißigjährigen Kriege wurde.
Bereits unter Matthias (1612—1619), dem Nachfolger RudolfMatthias des II., erhob sich in Böhmen ein Streit über die Auslegung des Majestäts-1612—19 Der Abt von Braunaul ließ nämlich eine dort erbaute prote-
stantische Kirche sperren und der Erzbischof von Prag eine andere in Klo-stergrabr sogar niederreißen, indem sie behaupteten, daß nach dem Maje-stätsbrief nur den protestantischen Ständen, nicht aber den protestantischenUnterthanen katholischer Stände das Recht des Kirchenbaues zustehe.Kaiser Matthias wies von Wien aus die Beschwerden der Protestanten durchein drohendes Schreiben zurück. Es verbreitete sich aber das Gerücht, dieseAntwort sei von den kaiserlichen Statthaltern in Prag verfaßt und demKaiser nur zur Unterschrift zugesandt worden. Um jene darüber zur RedeFenstersturz zu stellen, drangen am 23? Mai 1618 mehrere protestantische Edelleute auf das^1618^ Präger Schloß (den Hradschin), fielen über zwei derselben, die GrafenMartinitz und Slawata, welche trotzig antworteten, her, und warfen sienebst ihrem Schreiber Fabricius zum Fenster hinaus^. Dieser Fenstersturzgilt als der Beginn des Dreißigjährigen Krieges.
Hierauf trieben die böhmischen Protestanten die Jesuiten (S. 157Anm. 4), ihre eifrigsten Gegner, aus dem Lande, ordneten eine allgemeineVolksbewaffnung an und stellten den Grafen Thurn an die Spitze ihrerStreitkräfte. Die Union schickte ihnen ein Hilfsheer von 4000 Mann unterdem Grasen von Mansfeld. Nun wurde das in Böhmen eingedrungenekaiserliche Heer zum Rückzug genötigt, ein Einfall in das ErzherzogtumÖsterreich gemacht und der Aufstand auch über Mähren, Schlesien und dieLausitz verbreitet. Unter solcher Bedrängnis starb Matthias (20. MärzFerdinand 1619); ihm folgte in den österreichischen Kronländern sein Vetter, der1619^37 ^ entschlossene Ferdinand II. (1619—1637).
2. Da die Böhmen Ferdinand als einen „Erbfeind des evangelischenGlaubens und Sklaven der Jesuiten" kannten, so beschlossen sie, seinem An-griffe zuvorzukommen und sandten Thurn mit Heeresmacht vor die ThoreAs" Wiens (5. Juni 1619). Ferdinands Lage war um so mißlicher, als diezahlreichen Protestanten der Stadt mit den Belagerern gemeinschaftliche Sachemachten. Am 11. Juni drangen sogar 16 österreichische Protestanten in dieHofburg, um Ferdinands schriftliche Einwilligung zu einem Bündnisse mitden Böhmen zu ertrotzen, wobei ihn einer derselben, Andreas Thonradel,bei den Knöpfen seines Wamses angefaßt und drohend gerufen haben soll:„Nun, willst du unterschreiben, Nandel, oder nicht?" Da schmetterten plötzlichTrompeten auf dem Schloßhof. Es waren 500 Kürassiere, welche der OberstDampierre durch das einzige von Thurn nicht besetzte Thor in die Stadt hatte ein-sprengen lassen. Auf derStelle stoben die Bedränger auseinander. EinigeTagenachher kehrte auch Thurn nach Böhmen zurück, da königliche Truppen Prag
> Braunau, Stadt am Südwestfuß des Riesengebirges. — Klostergrab,Bergstadt am südöstlichen Fuß des Erzgebirges, westlich von Teplitz.
2 Die Monatsangaben sind nach Gregorianischem Kalender sS. 165 Anm 2)eingesetzt. Der Unterschied zwischen diesem und dem früheren Julianischen Kalenderbetrug damals zehn Tage.
s Obgleich die Höhe 17 Meter betrug, so kamen sie doch mit dem Leben davon,da sie auf weichen Schutt fielen und durch ihre Miintel die Heftigkeit des Falles ge-mindert wurde.