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Neue Geschichte.
Boot wieder instand, und Peter setzte sich selbst ans Steuer, um zu lenken.Schnell mußten mehrere ähnliche Fahrzeuge und bald auch größere Schiffeerbaut werden. Der Zar reiste (1693) selbst nach Archangel', suchteauch hier seine Unterthanen zum Schiffbau zu ermuntern, und als er imfolgenden Jahre (1694) wieder hinkam, hatte er die Freude, mit mehrereneigenen Schiffen in See stechen zu können.
Doch wenn die russische Seemacht gedeihen sollte, so war Archangel,nahe dem Nördlichen Eismeer, für den Verkehr mit den übrigen europäischenLändern nicht passend gelegen. Einen näheren Hafen aber hatte Rußlanddamals nicht, denn die Länder an der Ostsee (Livland, Esthland, Jnger-manland) gehörten noch den Schweden und am Schwarzen Meere herrsch-ten die Türken. Diese beiden Staaten sah daher Peter als die natürlichenFeinde seines Landes an. Zunächst richtete er sein Augenmerk auf die tür-
Asow kische Stadt Asow'. Nach einem abgeschlagenen Sturme schloß er sie von
1696. pei: Land- und Sceseite ein, worauf die Eroberung gelang (1696). ImTriumph kehrte der Sieger nach Moskau zurück. Durch stete Vermehrungseiner Kriegsschiffe und durch Anlegung eines Kanals zwischen Wolga undDon suchte er die neue Eroberung zu sichern.
2. Viele aber waren mit den Umgestaltungen Peters unzufrieden, vor-3. Aufstand züglich die Strelitzen, die es ihm außerdem nicht vergeben konnten, daß erStrelitzen Poteschni ihnen vorzog. Als Peter eines Abends (2. Februar 1697)
1697. in Prevbraschenskoje bei Lefort in Gesellschaft war, wurde er Hinausgerufen.Zwei Strelitzen, die seiner warteten, fielen ihm zu Füßen und gestanden,„sie gehörten zu einer Verschwörung; ihr Gewissen treibe sie her, es ihmanzuzeigen. In der nächsten Nacht wollten die Verschworenen Feuer an-legen und, wenn der Zar herbeieile, ihn im Gedränge ermorden. Jetzt säßensie im Hause des Staatsrates Sokownin beisammen." Es war 8 Uhr.Peter ließ die beiden verwahren und schickte einen schriftlichen Befehl aneinen Hauptmann seiner Garde, gegen 11 Uhr das bezeichnete Haus zu um-stellen und alle, die darin wären, gefangen zu nehmen. Dann kehrte erruhig zur Gesellschaft zurück. Gegen 10 Uhr stand er auf, setzte sich inseinen Wagen und fuhr, von einem einzigen Offizier begleitet, nach So-kownins Hause. Um halb 11 Uhr kam er an und wunderte sich, keinenMann seiner Garde anzutreffen, denn er meinte, er habe den Hauptmannfür 10 Uhr befohlen. Trotzdem begab sich Peter in das Haus und tratunerschrocken in das Zimmer, wo die Verschworenen versammelt waren. Be-
' troffen standen alle auf, ihrem Herrn die schuldige Ehrerbietung zu bezeigen.
Mit scheinbarer Heiterkeit rief er ihnen zu, sich nicht stören zu lassen, erwolle mit ihnen trinken. Allmählich beruhigten sie sich und in dem Glauben,er wisse um nichts, tranken sie auf seine Gesundheit. Er that tapfer Be-scheid^ und blieb, bis es 11 Uhr schlug. Schon winkte ein Strelitze demSokownin und flüsterte ihm zu: „Nun ist es Zeit, Bruder!" — „Nochnicht!" antwortete dieser leise. „Für mich aber ist es Zeit, Schurke!" schriePeter mit furchtbarer Stimme, indem er ihn mit der Faust ins Gesichtschlug. „Fort, binde die Hunde!" — In demselben Augenblick trat der
> Archangel, Stadt an der Dwina, welche 60 Kilometer davon in das WeißeMeer mundet. — Asow, Stadt und Festung am Don, unweit dessen Mündung indas Schwarze Meer.
e Peter war ein Freund geistiger Getränke, insbesondere des Branntweins.