4. Empö- Als Peter eben im Begriff war, auch Jt alien zu besuchen, empfing^"3 ^ ^ Nachricht von einer neuen Empörung der Strelitzen. Ergrimmt
1698.^" er nach Moskau zurück und hielt, obschon der Aufruhr bereits gedämpftwar, ein furchtbares Gericht. Die Hinrichtungen dauerten mehrere Wochen,und Peter zeigte bei dieser Gelegenheit, daß er selbst noch tief in der Roh-heit stecke. Nicht allein enthauptete er mehrere Verurteilte mit eigener Hand,sondern er ließ auch seine Schwester Sophie, welche wieder in den Aufstandverwickelt war, in einen engen Kerker werfen, wo dieselbe bis zu ihrem Tod(1704) verblieb. Die Schar der Strelitzen wurde aufgehoben.
. 3. Im folgenden Jahre (1699) verlor Peter seinen treuen Freund
eniqi ow. Aesyrt durch den Tod. Ein neuer Günstling, Mensch ikovO, ersetzte dessenStelle. Dieser, gleichfalls ein Mann von bedeutenden Talenten, unterstützteden Zaren getreulich bei Ausführung von Reformen. Die See- und Land-macht wurde von neuem vermehrt und auch das bürgerliche Leben vielfachumgestaltet; die Russen sollten auch im Äußern den andern europäischenNationen gleich werden. Peter verbot deshalb die langen Kleider und Bärte;und damit jeder das Blaß genau erführe, so wurden an den StadtthorenMuster von deutscher und holländischer Kleidung aufgehängt. Wenn einermit einem langen Kleide durchs Thor gehen wollte, so mußte er entwedereinen Zoll geben oder unter dem Thor niederknieen und sich den Rand soweit abschneiden lassen, als er beim Knieen auf der Erde schleppte. Nurdie Geistlichen und Bauern durften Bärte tragen; jeder andere mußte fürdie Erlaubnis dazu jährlich 100 Rubel (320 Mark) zahlen.
Im Jahre 1699 erklärte Peter sich und seine Nachfolger zum Ober-haupt der russischen (griechisch-katholischen) Kirche. Um Bildung und Wissen-schaften zu verbreiten, legte er Schulen und Buchdruckereien an und ließ dievorzüglichsten Werke des Auslandes in die russische Sprache übersetzen. Da-zu munterte er seine Russen auf, ihrer Bildung wegen ins Ausland zureisen, so wie er es gern sah, daß gebildete Fremde in sein Reich kamen.Nordischer Peters Plan war nun, Küstenländer an der Ostsee zu erobern. Erkrieg hatte sich deswegen mit Polen? und Dänemark gegen den fünfzehnjährigen1700—21. König Schwedens, Karl den XII. (1697—1718), verbunden. Allein widerErwartung schlug dieser die Russen bei Narwa? (1700) und zeigte sich über-haupt als Besieger seiner Feinde. Aber während Karl XII. gegen den Königvon Polen, August den II., der zugleich Kurfürst von Sachsen war*, zog
1 Menschikow, 1672 bei Moskau aus niederem Stande geboren, zog alsBiickerjunge, der in den Straßen von Moskau mit Pasteten handelte, die Aufmerk-samkeit Peter des Großen auf sich und ward dessen Lieblingspage. Die Anzeige einerVerschwörung gegen des Zaren Leben, in die man ihn hatte ziehen wollen, bahnteihm den Weg zu seiner glänzenden Laufbahn. Er ward m der Folge erster MunsterPeter des Großen, Generalseldmarschall und Herzog. Unter Katharina der 1., derNachfolgerin Peters (1725—1727), herrschte er unumschränkt und hob nach derenTode Peter den II. (1727—1730), den Enkel Peter des Großen, auf den Thron.Dieser schickte ihn aber, seiner Bevormundung überdrüssig, nach Sibirien in die Ver-bannung, wo er zwei Jahre später (1729) starb.
2 Polen war damals ein selbständiges Königreich, das vom Dniepr im Ostenbis jenseits der Weichsel im Westen reichte. Am Ende des 18. Jahrhunderts teiltensich Rußland, Österreich und Preußen in das Land.
o Narwa, Stadt im damals schwedischen Jngermanland an der Narwa, die15 Kilometer nördlicher in den Finnischen Meerbusen mündet.
^ August II, war seit 1697 König von Polen und, um diese Würde zu er-reichen, in demselben Jahr vom evangelischen Glauben zum Katholizismus über-