Band 
Erster Kursus.
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Friedrich der Große 1740—1786.

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der König zum Tode verurteilen zu lassen. Indes das Kriegsgericht weigertesich über den Kronprinzen ein Urteil zu fällen, und auch die fremden Höfeverwendeten sich für das Leben Friedrichs. Endlich ward des Vaters strengerSinn etwas milder gestimmt.

Doch blieb Friedrich in Küstrin und wurde anfangs so streng ge-halten, daß er nicht einmal Licht in seinem Kerker brennen durfte. Diereligiösen Gespräche, die er täglich mit dem Feldprediger Müller hielt,machten einen tiefen Eindruck auf ihn, so daß er in einem Brief an denVater sein Unrecht bekannte und ihn um Verzeihung bat. Der König ver-sprach ihm Begnadigung, wenn er eidlich geloben wolle, sich wegen des Vor-gefallenen an keinem Menschen zu rächen und künftig ein gehorsamer Sohnzu sein. Friedrich leistete diesen Eid und erhielt nun Orden und Degenzurück. Doch mußte er noch zwei Jahre in Küstrin als Kriegsrat arbeiten.Das that Friedrich mit großem Fleiß und lernte so die Regicrungsgeschäftenäher kennen. — Am Vermählungstage der Prinzessin Wilhelmine' ließ ihnder Vater wieder zum erstenmal nach Berlin kommen und führte ihn derhochbeglückten Mutter mit den Worten zu: „Da ist nun der Fritz wieder!"Bald darauf erhielt Friedrich ein Regiment in Neu-Ruppin?, und später(1734) kaufte ihm der Vater das Schloß Rheinsberg? als Residenz.

Hier verlebte der Prinz seine glücklichsten Tage, da er um sich einenKreis von Gelehrten und Künstlern versammelte, in deren Gesprächen seinGeist die beste Anregung, sein Gemüt die beste Erholung fand. Mit Vor-liebe war er den Franzosen, besonders dem Dichter Voltaire, zugethan.Und doch war Friedrich ein echt deutscher Held, der nach der Schmachdes Dreißigjährigen Krieges zuerst wieder den deutschen Namen zu Ehren brachte.

Den Vater stellte Friedrich dadurch zufrieden, daß er sein Regimentim besten Stand erhielt: auch bewahrte er ihm stets die kindliche Liebe undversäumte keine Gelegenheit, wo er ihm eine Freude machen konnte. Dasrührte den sonst so harten Vater bis zu Thränen. „O, mein Sohn", riefer gerührt, „ich sterbe zufrieden, da ich einen so würdigen Nachfolger habe!"

2. Der 31. Mai des Jahres 1740, der Todestag Friedrich Wilhelmdes I., rief den vielgeprüften Prinzen in seinem 29. Lebensjahr auf denThron. Freudig jubelte ihm das Volk entgegen, als er am 2. August dieHuldigung empfing: er aber blieb nach Beendigung der Feier noch einigeZeit auf dem Balkon des Schlosses stehen und schaute mit festem, nach-denkendem Blick auf die unermeßliche Volksmenge hinab.

Im vollen Bewußtsein seiner königlichen Macht ergriff er die Zügelder Regierung, und wenn auch manche Blaßregeln, wie die Abschaffung derFolter, der Jagdplage und anderes bewiesen, daß er manche Fehler undHärten seines Vorgängers vermeiden wolle, so befolgte er doch im großenund ganzen die Regierungsgrundsätze seines Vaters. Er betrachtete sich alsden für alles verantwortlichen ersten Diener des Staates; deshalb regierteer vor allem selbst, bekümmerte sich um das Geringste, nahm alle Bittenund Beschwerden an und verlangte für seine Anordnungen und Befehle un-bedingten Gehorsam.

> Wilhelmine, geboren 1709, war die Lieblingsschwester Friedrichs und ver-mahlte sich 173l mit Friedrich, dem nachmaligen Markgrafen von Baireuth.

^ Neu-Ruppin, Stadt in der Provinz Brandenburg, nordwestlich von Berlin.— Rheinsberg, Stadt mit königlichem Schloß, nördlich von Neu-Ruppin.

Rheinsberq1734. '

Friedrich II-1740 -86.