Band 
Erster Kursus.
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Französische Revolution 1769.

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lüstern ausgestellt, wodurch jeder ohne Verhör und Gericht ins Gefängnisgeworfen werden konnte. Dort schmachtete er, feinem ordentlichen Richterentzogen, oft lebenslang. Auch die Besteuerung war sehr ungerecht. Adelund Geistlichkeit, welche die größten Güter besaßen und die einträglichstenStellen inne hatten, genossen Steuerfreiheit; Bürger und Bauern, der so-genannte dritte Stand, waren mitAbgabenüberbürdet. Dadurch entwickeltesich bei den unteren Ständen Haß und Erbitterung gegen die beiden oberenund gegen das Königtum. Auch der gebildete Teil des Volkes war dembestehenden Regimente nicht gewogen, denn die bedeutendsten französischenSchriftstellerjenerZeit: Voltaire (S. 185), Montesquieu undRousseaukämpften mit scharfen Waffen gegen die kirchliche Lehre und deren Miß-bräuche, gegen das absolute Königtum und die Privilegien des Adels. Dazukam, daß viele Franzosen an dem Freiheitskampf der Nordamerikaner teilgenommen und republikanische Ideen in ihr Vaterland zurückgebracht hatten.

Mit aufrichtigem Jubel begrüßte zwar im Jahre 1774 das französische „ . .Volk den Regierungsantritt Ludwig des XVI., der, ein Enkel Ludwig des XV., xvx

im Alter von 20 Jahren (geboren 1754) den Thron bestieg. Er war ein 1774—92.frommer, gottesfürchtiger Mann, voll tiefen Abscheues gegen das Leben undTreiben des Hofes, aber zu gutmütig und schwach, um in so drohender Zeitdas Staatsschiff zu lenken und den herannahenden Sturm zu beschwören.

Er hatte den besten Willen, der Not des Landes abzuhelfen, und führte daseinfachste Leben, um seinen hartbedrängten Unterthanen die Steuern zu ver-mindern; aber nicht einmal der Verschwendung des Hofes vermochte er einZiel zu setzen. Endlich ließ sich der König durch den Finanzminister Neck erbewegen, die Reichsstände zu berufen, die seit 1614 (seit Ludwig demXIII). Reichsständenicht versammelt gewesen waren. Vom Adel kamen 300 Abgeordnete und 1789.eben so viele von der Geistlichkeit; vom Bürgerstand erschien die doppelteAnzahl. Am 5. Mai 1789 wurde die Versammlung der Reichsständezu Versailles eröffnet.

Jetzt erhob sich die Frage, ob jeder Stand, wie es früher gewesen war,für sich allein oder ob alle drei Stände gemeinschaftlich beraten und nachKöpfen abstimmen sollten. Im ersten Falle half dem dritten Stande diedoppelte Zahl seiner Abgeordneten nichts, und es war vorauszusehen, daßeine Abstellung der Mißbräuche in Regierung und Verwaltung nicht erreichtwürde. Da aber Adel und Geistlichkeit bei dem alten Verfahren bleibenwollten, so trennten sich die Abgeordneten des Bürgerstandes, an die sichmehrere Adelige und Geistliche anschlössen, und erklärten sich (17. Juni > zurKonstituierenden (Verfassunggebenden) Nationalversammlung.

Der Pöbel, aufgeregt besonders von dem Herzog von Orleans', welcherzwar des Königs Vetter, aber, da er selbst nach der Krone strebte, sein ent-schiedener Gegner war, beging bereits große Unordnungen, so daß LudwigTruppen in Paris einrücken ließ. Dieser Umstand samt der Nachricht vonder Entlassung des Ministers Necker, in welchem das Volk seinen Lieblingehrte, entflammte die Einwohner von Paris zur höchsten Wut. Das Volkerstürmte die Bastille? und machte die Besatzung nieder >14. Juli 1789). Bastillen-Von dieser That an datiert man die (erste) Französische Revolution, stürm.

l Ludwig Philipp, Herzog von Orleans, war ein Urenkel des Herzogs Philippvon Orleans, welcher für seinen Neffen Ludwig dem X V. (S. 198), die Regentschaft führte.

e Bastille, ein festes Schloß in Paris, das als Staatsgesängnis diente.