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Neue Geschichte.
das Napoleon den Engländern entriß, annehmen, dafür jedoch die Herzog-tümer Kleve und Berg* in Westfalen an General Murat, den SchwagerNapoleons, das fränkische Fürstentum Ans bach (S. 156) an Baiern und dasFürstentum Neufchatel in der Schweiz an den Marschall Berthier abtreten.
Durch die Stiftung des Rheinbundes wurde aber Friedrich Wilhelmauf Napoleons Plan aufmerksam, mit Hilfe der schwächeren Fürsten diemächtigen demütigen und zuletzt alle zusammen Frankreich unterwerfen zuwollen. Als daher Napoleon ohne Preußens Vorwissen Hannover wieder anEngland abtrat, ermannte sich der König, söhnte sich mit England undSchweden aus und erlangte von Rußland die Zusage seines Beistandes. Hier-auf wurde (8. Oktober 1806) der Krieg von PreuhenLan Frankreich erklärt.
Das preußische Heer, zu dem auch der Kurfürst von Sachsen, FriedrichAugust III. 2 , 34000 Mann Hilfstruppen hatte stoßen lassen, zählte 137000Mann und stand unter dem Oberbefehl des 72jährigen Herzogs von Braun-schweig^, wogegen die Franzosen 200000 Mann von Franken nach Thüringenmarschieren ließen. Bei Saalfeld * kam es (10. Oktober) zu einem Ge-fechte mit der preußischen Avantgarde. Die Preußen wurden zurückgeworfen,und der tapfere Prinz Ludwig von Preußen fiel.
Die Hauptarmes der Preußen stand bei Weimar, von wo die-selbe am 13. Oktober nach Auerstädt' rückte, während eine Abteilungunter dem Fürsten von Hohenlohe bei Jena* sich aufgestellt hatte. Durch dieJena- am 14. Oktober erfolgte Doppelschlacht bei Jena, wo Napoleon selbst mitAuerstädt Übermacht seinen tapfer fechtenden Gegner schlug, und von Auerstädt, wo1806. der weit schwächere Davoust den im Anfange des Kampfes durch eine Kanonen-kugel beider Augen beraubten Herzog von Braunschweig besiegte, war dasSchicksal Preußens entschieden. Das preußische Heer war vernichtet; mit dengeringen Überresten seiner Truppen zog sich der König nach Ostpreußen zurück*.
Unerwartet schnell ergaben sich damals die meisten preußischen Festungenohne Widerstand, gleich als ob eine allgemeine Mutlosigkeit die Komman-danten befallen oder Gold die Thore geöffnet hätte. Eine rühmliche Aus-nahme machten Graudenz und Kolberg': dort erwiderte der wackereCourb iöre den Franzosen auf ihre Nachricht, es gäbekeinenKönig von Preußenmehr: „Nun gut, so bin ich König von Graudenz und werde mich zu ver-teidigen wissen!" und hier entflammten die Offiziere Schill und Gneisenau
> Kleve und Berg, ehemals selbständige Herzogtümer, deren Gebiete jetzt denNorden der Rheinprovinz bilden. — Saalfeld, Stadt an der Saale im HerzogtumMeiningen. — Auerstädt, Dorf nördlich von Weimar, an der Südgrenze derProvinz Sachsen. — Jena, Universitätsstadt an der Saale im GroßherzogtumWeimar. — Graudenz, Stadt in Ostpreußen an der Weichsel. — Kolberg, Stadtin Pommern, unweit der Mündung der Persante in die Ostsee.
^ Im Kurfürstentum Sachsen folgte auf Friedrich August den II. (S. 187)dessen Sohn Friedrich Christian, der aber nach nur zweimonatlicher Regierung(Oktober bis Dezember 1763) starb. Sein Sohn und Nachfolger war FriedrichAugust III-, sür den während seiner Minderjährigkeit (bis 1768) der Onkel, PrinzXaver, die Regentschaft führte.
s Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig 1740—1806, war einNeffe des S. 189 ff. erwähnten Ferdinand von Braunschweig.
* Von Berlin aus, das die Franzosen den 27. Oktober besetzt hatten, gab Na-poleon, um Englands Handel zu untergraben, den Befehl (Dekret vom 21. Novem-ber 1806), alle Häfen Europas den englischen Schiffen zu versperren und alle engli-schen Waren von dein Kontinente fernzuhalten. Durch spätere Erlasse wurde diese ,,K on-tinentalsperre" noch verschärft, doch erreichte Napoleon nur teilweise seine Absicht.