Band 
Erster Kursus.
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Neue Geschichte.

Preußen1846- 50.

FrankfurterParlament1848 u.49.

In Wien ward der Staatskanzler Metternich durch einen Volks-aufstand am 13. März 1848 vertrieben, und über ein halbes Jahr bliebdie Hauptstadt des Landes durch fortwährende Unruhen heimgesucht, biszuletzt Fürst Windischgrätz die aufrührerische Kaiserstadt mit Waffen-gewalt zur Unterwerfung (31. Oktober) zwang. Hierauf legte am2. Dezember 1848 der Kaiser Ferdinand I> die Krone zu Gunsten seinesNeffen Franz Joseph des I. (geb. den 18. August 1830), Sohn desErzherzogs Franz Karl, nieder. Unter diesem traten wieder ruhigere Zu-stände ein, und zeitgemäße Verbesserungen wurden ins Leben gerufen.

Wie Wien, so hatte auch Berlin seine „Märztage". Hier warFriedrich Wilhelm IV. am 7. Juli 1840 seinem Vater FriedrichWilhelm dem III. (S. 209) auf Preußens Königsthrone gefolgt«. Derselbebewilligte am 18. März 1848 Änderung des Ministeriums, Preßfreiheitund eine Verfassung mit beschließenden Ständen (eine Konstitution).

Allein auch die Zustände Preußens gestalteten sich durch das Übermaßder gestellten Forderungen bald bedenklich. Die Regierung vermochte mitder seit dem 22. Mai 1848 in Berlin tagenden Nationalversammlungnichts Erhebliches zustande zu bringen. Dazu brachen wiederholt Unruhenaus und das Stocken von Handel und Gewerbe mehrte die Zahl derBrotlosen. —Da endlich rückte der General Wrangel in Berlin ein und derKönig bot (oktroyierte) einen Verfassungsentwurf dar, welcher von neuberusenen Ständen gegen Schluß des Jahres 1849 genehmigt wurde.Der König beschwor diese Verfassung am 6. Februar 1850«, und so tratPreußen in die Reihe der konstitutionellen Staaten.

Das Hauptziel der deutschen Bewegung im Jahre 1848 aber wardas Parlament der deutschen Nation. Am 18. Mai 1848 wurdedasselbe in Frankfurt a. M. eröffnet. Eine der ersten Handlungen desselbenwar die Beseitigung des Bundestages und die Einrichtung einer Zentral-gewalt. Vorläufig sollte ein Reichsverweser mit der einheitlichen Regie-rungsgewalt für Deutschland betraut werden. Die am 29. Juni vorge-nommene Wahl entschied für den Erzherzog Johann von Österreich(S. 207), der als volkstümlicher Mann'' allgemein beliebt war. Am 12. Julitrat der Gewählte die Reichsverwaltung an und übernahm so die Befugnissedes Bundestages.

Allein solche Einrichtungen genügten denen nicht, welche für „Volksherr-schaft" schwärmten. Schon im April hatte in Baden eine republikanischeSchilderhebung stattgefunden, und auch in Frankfurt suchte man (18. Sep-tember 1848) die Nationalversammlung zu sprengen, um in Deutschlanddie Republik einzuführen.

> Kaiser Ferdinand I. war seinem Vater Franz dem I. (S, 204 Anm. 2und S, 209) im Jahre 1835 gefolgt. Nach seinen: Rücktritt von der Regierunglebte er meist auf dem Hradschin in Praa, wo er 1875 im 83. Lebensjahre starb.

2 Friedrich Wilhelm IV., der älteste Sohn Friedrich Wilhelm des III. und seinerGemahlin Luise, Prinzessin aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz, war geboren am15. Oktober 1795.

s In demselben Jahre (1850) erwarb Preußen die beiden Fürstentümer Hohen-zollern durch Vertrag mit den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohen-zollern-Sigmaringen. Andererseits hatte sich schon im Jahre 1848 der KantonNeuenburg sNeufchatel, S. 210) von Preußen losgesagt, und im Jahre 1857 gabletzteres sein Besitzrecht förmlich auf)

> Maßgebend auf die Wahl wirkte insbesondere das Wort, welches man dem Erz-herzog Johann zuschrieb: „Kein Österreich, kein Preußen, ein einiges Deutschland!"