Band 
Zweiter Kursus.
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Odhsseus 1200 vor Chr.

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Freier, täglich in des Königs Palast zu schmausen und so lange von seinemGute zu Prassen, bis Telemach, anS Furcht vor gänzlicher Verarmung,selbst seine Mutter zu einer neuen Wahl veranlassen würde. Täglich zech-ten nun über hundert Freier in den weiten Hallen und drängten Penelop ezur Wahl, so daß sie endlich erklärte: „Gebt mir nur Frist, bis ich dasGewand, an welchem ich arbeite, vollendet habe." Aber nachts trennte siedas wieder auf, was sie am Tage gewebt hatte, und so wurde sie nie fertig.

Eine geschwätzige Dienerin verriet den Freiern die List, und diese wurdennun noch viel zudringlicher.

Doch jetzt erbarmte sich Pallas Athene (S. 16 Amn.), deren Lieb-ling Odysseus war, der armen Pcnelope und des trauernden Telemach. Als Vejchü'b dereines Tages im Rate der Götter Poseidon fehlte, bat Athene ihren VaterZeus, daß er den unglücklichen Odhsseus in die ersehnte Heimat entsendenwolle. Die Bitte ward gewährt, und der Götterbote eilte zu Kalypso undkündigte ihr an, daß sie den Helden entlassen müsse. Auf einem selbstge- Abreise deszimmerten Floß begab sich Odhsseus wieder zur See: siebzehn Tage lang Odysseus.ging die Reise gut von statten. Da kam gerade Poseidon, der in Äthio-pien geweilt hatte, zurück und regte das Meer ant bis in die innerstenTiefen. Odhsseus ward von den empörten Wogen umhergeschleudcrt undendlich besinnungslos an den Strand geworfen. Er befand sich im Landeder Phäaken h wo der König Alkinous gebot. Dieser nahm den Schiff- Phäaken.brüchigen freundlich auf und sandte ihn bald der ersehnten Heimat zu. —

Eben ging der strahlende Morgenstern auf — da rauschte das Schiff in Heimfahrt,eine Bucht Ithakas ein. Weil der Held noch schlief, faßten die Rudererleise die Zipfel der Decke, auf der er ruhte, und trugen ihn sanft ans Land.

Dann wandten sie das Schiff und fuhren davon.

6. Als Odhsseus erwachte, erkannte er nicht einmal sein Vaterland.

Doch erschien ihm die Göttin Athene in der' Gestalt eines Hirtenknaben,erzählte ihm die Leiden seiner Gattin und ermunterte ihn, die übermütigenFreier zu verderben. Auch machte sie ihn unkenntlich, indem sie ihn ineinen zerlumpten Bettler verwandelte. Als solcher ging er zu dem Sau-hirten Enmüus, der den Gast willkommen hieß und bewirtete. Eumäus.

Am andern Morgen kehrte auch Telemach in der Hütte ein. AlsEumäus darauf in die Stadt gegangen war, ließ sich Odhsseus von Atheneseine wahre Gestalt wieder geben, und nun lagen sich Vater und Sohn inden Armen. Nach den ersten Wallungen der Freude teilte Odhsseus demSohne seinen Plan mit: „Du gehst"/ sagte er, „morgen früh in die Stadt undgesellst dich unter die Freier. Bald werde ich mit dem Sauhirten nachkommenund als Bettler in ihre Versammlung treten. Mögen sie mich dann ver-höhnen; ich werde Alles erdulden und thue du desgleichen, damit sie dieRache desto sicherer treffe. Doch trage alle Waffen aus dem Saale bis aufje zwei Schilde, Speere und Wurfspieße für uns beide." — Dann empfahler ihm Verschwiegenheit, und ehe Eumäus zurückgekehrt war, hatte er dieBettlergestalt wieder angenommen. — Telemach begab sich zu seiner Mutter.

Am folgenden Morgen ging Odysseus mit dem göttlichen Sauhirten Odysseus(so nennt ihn Homer) nach der in der Stadt liegenden königlichen Burg. in derIm dortigen Saale schmausten die Freier. Jeder hatte vor sich ein Tischchen Kömgs-

' Die Phäaken bewohnten die Insel Scheria, d.i. Korchra, jetzt Korfn, nördlichvon Jthaka.