Band 
Zweiter Kursus.
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Alte Geschichte.

sollte nach der Absicht des Theodosins das römische Reich immer noch einGanzes bilden; es ist aber nie wieder vereinigt worden. Von nun an gabes ein abendländisches oder weströmisches (lateinisches) und ein morgenländischesoder oströmisches (griechisches oder byzantinisches) Kaiserreich (395). Dieungefähre Grenze beider Reiche war das adriatische Meer.

2. Weil die Söhne des Theodosins noch jung waren, hatte der Vaterdem Arkadins den Gallier Rufinus, dem Honorius den Wandalen Stilichoals Reichsverweser znr Seite gestellt. Beide Männer aber haßten sich undergriffen jede Gelegenheit, einander zu schaden. Aus dieser Feindschaft zogManch. Alarich, der 395 zum Könige der Westgoten erhoben worden war, den größtenVorteil. Unter dem Verwände, daß der oströmische Hof die geschlossenen Ver-träge nicht erfüllt habe, brach er mit Hecresmacht in Griechenland * einundverwüstete alles mit Feuer und Schwert. Da kam Stilicho von Westen herder heimgesuchten Provinz zu Hilfe, landete in Arkadien * und nötigte Alarichzum Rückzüge. Rufinus aber, durch diese Einmischung verletzt, erhob — denGotenkönig zum Statthalter des östlichen Jllyrien^; hoffte er doch, daßsich die Goten von dort aus leicht zu einem Einfall nach Italien verstehen würden.

Schon im Jahre 400 war Alarich auf dem Wege nach Italien, kehrteaber vor dem festen Aquileja* wieder um. Bald erneuerte er seinen Zug.Schrecken ergriff alle Gemüter, als die barbarischen Goten eine Stadt nachder anderen nahmen. Der schwache Honorius schloß sich in dem festenRavenna * ein und überließ die Verteidigung des Landes dem Stilicho.Dieser sammelte, was von streitbarer Mannschaft vorhanden war, mußte aberbereits Gallien von Legionen entblößen, um Italien zu retten. Am Ostertagedes Jahres 403 schlug Stilicho seinen Feind bei Pollentia* und bald daraufbei Veronar (404), so daß sich Alarich nach Jllyrien zurückzog,diadaaais. Ebenso erfolgreich bekämpfte Stilicho den Herzog Radagais, der miteinem deutschen Völkerschwarm von 200 000 Mann nach Oberitalien vordrang.Bei Florenz * erlagen (406) die Barbaren der römischen Kriegskunst.

Dennoch sah Stilicho Roms Schicksal herannahen; er suchte deshalbAlarich durch Zusichernng von 4000 Pfund Goldes aus dem oströmischenDienst in den weströmischen zu ziehen. Alarich ging darauf ein. Aber Stilicho,Stilicho schon längst verdächtigt, als strebe er für seinen Sohn nach dem Throne,f 408. wurde auf Honorius' Befehl zu Ravenna (408) enthauptet.

Damit war die letzte Stütze des schwachen Thrones dahin. Alarich, demman den verheißenen Tribut vorenthielt, rückte (408) abermals auf Italienlos. Honorius flüchtete sich wieder nach Ravenna; allein er hatte niemandAlarich vor mehr, der für ihn die Schlachten gewann. Bald stand Alarich vor Rom, das seitRom. Hannibals Zeiten keinen Feind gesehen hatte. Er schloß die Stadt ein und nötigtesie durch Hunger, Friedensunterhandlungen mit ihm anzuknüpfen. Die römischenGesandten suchten den Gotenanführer durch Berufung auf ihre große Anzahl. einzuschüchtern. Aber Alarich anwortete: „Je dichter das Gras, desto besser dasMähen!" In bescheidenem Ton erkundigten sich nun die Gesandten nach denFriedensbedingungen und erlangten, daß Alarich für 5000 Pfund Goldes und30 000 Pfund Silbers die Belagerung aufhob.

^ ' Griechenland, Arkadien, Jllyrien, S. 5 Anm. 3. — Aquileja,

Stadt an der Nordspitze des adriatische» Meeres. — Ravenna, Stadt am adria-üschen Meere. — P ollen tia, Stadt am Tanaro im westlichen Oberitalien. — Verona,Stadt an der Etsch. — Florenz, Stadt am Arno.