Band 
Zweiter Kursus.
Seite
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Wieland der Schmied.

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habe. Anfangs gab sich Amilias für den Verfcrtiger aus, mußte aberspäter die Wahrheit eingcstehcn. „Das dachte ich wohl," versetzte Nidung,

«daß du so etwas nicht arbeiten kannst."

Ob solcher Rede ward Amilias zornig und ging mit Wieland eine Wette mitWette auf Leben und Tod ein, wer das bessere Stück schmieden könne. Zu- Amilias.gleich ward bestimmt, daß Wieland binnen Jahresfrist ein Schwert, Ami-lias aber eine Rüstung liefere.

Amilias begann sofort seine Arbeit, Wieland aber that, als ob ihmnichts Besonderes obliege. So vergingen sechs Monate. Da fragte ihn end-lich Nidung, wenn er sein Probestück anfange? Der Knappe versetzte:

„Herr, mir fehlt es an einem Schmiedchaus, darin ich arbeiten könnte."

Der König ließ ein solches Haus errichten, und nun ging Wieland, seinvergrabenes Werkzeug zu holen. Doch das war verschwunden; es konnte Das fehlendeaber nur von dem Mann weggenommen sein, welcher ihn damals bei der Werkzeug.Arbeit belauscht hatte. Alsbald trug Wieland sein Leid dem König vorund verschwieg auch seinen Argwohn gegen jenen Mann nicht, dessen Nameihm indes unbekannt war. Da fragte der König, ob er den Mann wieder-erkennen werde, und als Wieland dies bejahte, wurden alle Mannen zu einerVolksversammlung entboten.

Wieland suchte unter den Erschienenen, konnte aber den betreffendennicht finden. Der König ward darüber ungehalten und schalt ihn einen Thoren.

Nun schmiedete Wieland ein Bild in Gestalt eines Mannes, welches Entdeckungin Kleidung und Mienen dem gesuchten Diebe ähnlich war. Das Bildes Diebe«,stellte er heimlich in die Halle, durch welche der König zum Schlafgcmachschritt. Als Wieland abends mit der Kerze vorausleuchtete, rief der Königjenem Bilde zu: „Willkommen, lieber Reg in! Wie gelang die Botschaft,welche ich dir auftrug?" Das Bild gab keine Antwort, der Knappe abersprach: „Nun weiß ich den Namen dessen, der mein Eigentum genommenhat," worauf Nidung versetzte: „Wenn es der Mann war, so konntest duihn in der Volksversammlung freilich nicht entdecken, denn er weilt als meinGesandter in Schweden." Regin kehrte bald zurück und mußte Werk-zeug und Güter an Wieland ausliefern.

Schon waren zehn Monate um, da mahnte der König Wieland noch- Dasmals an die Arbeit. Letzterer schmiedete nun in sieben Tagen ein Schwert,das man an einem Flusse prüfte. Und siehe, es schnitt ein Wollflock h das """ng.

einen Fuß stark war und von dem Strome gegen seine Schärfe getriebenwurde, glatt entzwei. Nidung war über die Waffe erfreut, Wielandaber sprach: „Das Schwert muß noch besser werden." Er begab sich wiederin seine Werkstatt, zerfeilte das Schwert und machte ans den Spänen einneues, welches bei der Probe ein zwei Fuß dickes Wollflock durchschnitt. DerKönig pries die neue Wehr; Wieland aber sprach: „Das Schwert ist gut,allein es muß noch besser werden." Nochmals ward es zerfeilt und umge-schmiedet, worauf es ein drei Fuß dickes Wollflock zerschnitt; der König warentzückt und begehrte das Schwert für sich; worauf Wieland erwiderte: „Ichwill nur noch Scheide und Gehänge dazu machen." Das sagte er abermit List, denn in seiner Schmiede fertigte er ein anderes Schwert, welchesjenem ganz ähnlich war, und verbarg das echte, von ihm Mimung geheißen,unter den Blasebälgen.

r Wollflock, ein Stück gewirrte Schafwolle.