Heinrich IV. von Frankreich 1589—1610.
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und schon damals verriet er den hohen Geist, der in ihm wohnte. Seineweitere Erziehung empfing Heinrich von seiner trefflichen Mutter, die sichnach dem Tod ihres Gatten (1562) des Sohnes mit außerordentlichem Eifer an-nahm. Sie rief ihn nach Navarra zurück, sorgte durch Jagd und Ritter-spiel für seine körperliche Abhärtung, führte ihm geschickte Lehrer zu undließ ihn in ihrem, dem reformierten Glauben, unterrichten. Doch mehr alsdie eigentliche Erziehung war das Leben selbst seine Schule. Früh wardHeinrich mit in das Kriegsgetümmel genommen, wie er denn von sich selberoft zu sagen pflegte, daß er im Lager und unter den Waffen aufgewachsensei. Seine überaus kräftige Gesundheit machte ihm alle Beschwerden leichtund erhielt ihm auch in mißlichen Lagen seine Heiterkeit und frohe Laune.
Klare, feurige Augen, eine fein gebogene Nase, eine frische, bräunliche Gesichts-farbe und ein schön gelockter Bart machten seine Züge, die schon Geist undLeben ausdrückten, noch anziehender. Dabei war er immer thätig, sah allesselbst nach, und in der Schlacht verglichen ihn selbst seine Feinde mit dem Adler.
Auf dem französischen Throne saß damals Karl IX. Er war einschwacher Fürst und folgte ganz den Ratschlägen seiner Mutter, Katharinavon Medici. Diese herrsch- und ränkesüchtige Italienerin hielt es nur solange mit einer Partei, als sie sich durch dieselbe in ihrer einflußreichenStellung nicht bedroht sah. Schienen ihr die Guisen (so genannt von der Guisen u.Grafschaft Guise in der Pikardie) zu mächtig, so zog sie die Bourbonen Bourbonen.vor, und wurden ihr diese unbequem, so wandte sie ihre Gunst jenen zu.
Durch die Eifersucht aber zwischen beiden Familien, von denen die Guisen zurkatholischen, die Bourbonen zur reformierten Kirche sich bekannten, ward zu-gleich Frankreich in einen blutigen Bürgerkrieg gestürzt, der (1562—1570) mitder ganzen Erbitterung geführt wurde, welche der Religionshaß einzuflößen pflegt.
Heinrich von Navarra nahm an diesem Kriege regen Anteil; denn seit1567 war er von den Hugenotten ^ an die Spitze ihrer Armee berufen wor-den. Als hierauf die Königin Mutter den Weg der Versöhnung betrat undseinen Glaubensgenossen Religionsfreiheit bewilligte (im Frieden von St. Ger-main 2 , 8. August 1570), ging auch er auf den Antrag ein, sich mit ihrerTochter, Margarete von Balois, zu vermählen. Am 18. August 1572fand die Vermählung statt. Das Hochzeitsfcst fing glänzend an, endete abermit dem Mordfest der Bartholomäusnacht (vom 23. auf 24. August Bartholo-1572). Heinrich (wie auch sein Vetter, der Prinz von Evndv) konnte sein mäusnachtLeben nur dadurch retten, daß er die katholische Religion annahm. Allein ^72.schon nach vier Jahren (1576) trat er zur reformierten Kirche zurück undkämpfte mit seinen Glaubensgenossen von neuem gegen den feindlich gesinntenHof. Unter verschiedenen Wcchselfällen dauerte dieser Krieg von 1585 bis1589. Während desselben wurde 1588 der König Heinrich III. (1574bis 1589) von den Guisen, welche die eifrigsten Katholiken um sich gesammelthatten, mit Thronentsctzung bedroht. Dies veranlaßte ihn zu einem Bündnis
> Auf Heinrich den II. 1547—1559 (S. 132 Anm. 2.) folgten seine drei un-fähigen Söhne: Franz II. 1559 u. 1560 (S. 140), Karl IX. 1560—1574 und Hein-rich III. 1574—1589, der letzte Valois (S. 106 Anm. 2).
^ Hugenotten, Benennung der französischen Protestanten, abzuleiten von demWort „Eidgenossen".
" Saint Germain, Stadt am linken Ufer der Seine, 22 Kilometer unterhalbParis.
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