Band 
Zweiter Kursus.
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Ludwig XIV. 1613-1715.

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neu, verlangte Ludwig die Erbschaft nicht für sich, sondern für seinen Enkel'

Philipp von Anjon; aus demselben Grunde forderte Leopold sie für seinenzweiten Sohn, den Erzherzog Karl; Maximilian aber für seinen ältestenSohn, Joseph Ferdinand. Letzterer war der rechtinäßige Erbe; auch hatteihn Karl ll. als Nachfolger bezeichnet. Der frühe Tod des Prinzen (1699)beseitigte die baicrischen Ansprüche, und so standen sich nur noch der französischeKönig und Kaiser Leopold gegenüber. Nun hatte Ludwigs Gesandter, derMarquis Harcourt, den spanischen König vermocht, durch Testament denPrinzen von Anjon zu seinem Erben zu erklären. Und als Karl II. bald ^darauf (1. November 1700) starb, rief Ludwig XIV. nach dem Durchlesen ; 1700.jener Urkunde: „Für Frankreich giebt es jetzt keine Pyrenäen mehr!" Dannstellte er seinen Enkel den französischen Großen mit den Worten vor: „Mes-sieurs, hier sehen Sie den König von Spanien. Die Natur hat ihn dazubestimmt, der verstorbene König hat ihn ernannt, das Volk wünscht ihn, undIch willige ein," und schickte ihn mit einen, Heere nach Spanien, wo er als ^Philipp der V. anerkannt wurde. ^

Kaiser Leopold konnte dem nicht ruhig zuschauen und erließ an Frank-reich eine Kriegserklärung. Anfangs wurde er nur von dem neuen Kurfürstenvon Hannover und dem noch neueren Könige von Preußen ^ unterstützt;späterhin (7. September 1701) traten auch England und Holland, die ihrereigenen Sicherheit wegen das Anwachsen der französischen Macht nicht dulden„lochten, sowie noch andere Machte des deutschen Reichs, auch Portugal undSavoyen (1703) auf seine Seite. Aber auch Ludwig fand Bundesgenossen.

Der Kurfürst von Baiern, Maximilian Emanuel, den er durch die Zusiche-rung der Niederlande gewann, und dessen Bruder, der Kurfürst von Köln,schloffen sich ihm an. So entbrannte 1701 der spanische Erbfolgekrieg, Ausbruchwelcher 13 Jahre laug in Italien, Deutschland, den Niederlanden und indes KriegesSpanien, ja in fremden Meeren und Weltteilen geführt wurde. ^01.

Ludwig XIV. wollte seinen Gegnern zuvorkommen und ließ alsbaldTruppen in Deutschland und Italien einrücken. Den Oberbefehl über dieverbündeten Heere erhielten der Prinz Eugen und der Herzog von Mark- Eugen n.boroughv. Im Frühjahre 1701 brach Eugen mit einem kaiserlichen Heere, Marl-bei dem sich auch 10 000 Preußen befanden, nach Italien auf, schlug die borough.

> Ludwig des XIV. ältester Sohn, der Dauphin Ludwig <ch 1711), hattezwei Söhne: Ludwig, Herzog von Burgund (fi 1712) und Philipp, Herzog vonAnjou, als Philipp V. 1700—1746 König von Spanien.

* Der Herzog von Hannover (Ernst August) war im Jahre 1692 vonLeopold zum neunten (S. 165) Kurfürsten erhoben worden. — Der Kurfürst vonBrandenburg und Herzog von Preußen, Friedrich III., Sohn und Nachfolger desgroße» Kurfürsten (S. 173 Änm. 3.), hatte im Jahre 1701 mit Bewilligung desKaisers den Königstitel (Friedrich 1.) angenommen. - Um dieselbe Zeit (1697) warauch der Kurfürst von Sachsen, Friedrich August I. (August der Starke), zumKönige von Polen (als solcher August II) erwählt worden und infolge dessen zumKatholizismus übergetreten. Er war der Nachfolger von Sobicskh (S. 175).

° Marlborongh, geb. 1650 in England, trat frühzeitig als Offizier bei derGarde ein und ging 1688 zu Wilhelm von Oranien (S. 171) über, der ihn zumHerzog erhob. Er war nicht nur ein bedeutender Feldherr, sondern auch ein gewandterStaatsmann. Bald nach dem Siege bei Malplaquet (S. 184) fiel er bei der KöniginAnna in Ungnade, ward aber von Georg dem I. (S. 189 Anm. 3.) 1714 in alle seineWürde» Mieder eingesetzt. Er starb 1722.