Friedrich II. 1740—1786.
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Ohne Schmerz hatte Karl VI. den Türken jene Länder wieder abge-treten, glaubte er doch, daß ihm die Hauptaufgabe seines Lebens, die Sicher-stettung der pragmatischen Sanktion gelungen sei. Weil er nämlich der Pragma-"vch einzige männliche Abkömmling des Habsburgischen Stammes war, sohatte er schon im zweiten Jahre seiner Regierung (1713) ein neues Haus-gesetz, die sogenannte „pragmatische Sanktion", errichtet und darin festgesetzt,
in Ermangelung männlicher Erben die weibliche Linie nachfolgen solle.
Da er nun mir die Tochter Maria Theresia (geb. 1717) besaß, so warkr nicht zufrieden, diese Bestimmung von den Stünden seiner Länder aner-kannt zu sehen, sondern brachte auch bedeutende Opfer, die Gewährleistungderselben von den einflußreichsten Staaten Europas zu erlangen. Zu diesenOpfern gehörte die Überlassung des Königreichs Neapel mit Sicilien an denJnfanten von Spanien, Don Karlos (1736), die Toskanas (nach dem AuS-stcrben der Medieäer) an den Herzog Franz von Lothringen und die Loth-ringens an den Schwiegervater Ludwig des XV., den Exkönig von Polen,StanislauS LeszinÄy (S. 187), mit der Bedingung, daß es nach seinemTode an Frankreich fallen sollte.
Auf diese Weise glaubte Karl VI., die pragmatische Sanktion vor An-fechtungen geschützt zn haben; besser aber hätte er gethan, den Worten desklugen Engen zu glauben, daß 200 000 Bajonette und eine volle Schatz-kammer die Nachfolge der Erzherzogin mehr, als alle Verträge verbürgenwürden. Denn kaum hatte der Kaiser (am 20. Oktober 1740) die Augen XI
geschlossen und Maria Theresia, die mit Franz von Lothringen, dem MariaGroßherzog von Toökana, vermählt war, die österreichischen Länder in Besitz Theresiagenommen, so wurde diese Fürstin wegen verletzter Erbansprüche von ver- 1740—80.schiedcncn Seiten mit Krieg bedroht. Der erste und bedeutendste ihrer Gegnerwar der junge (geb. 1712) König von Preußen, Friedrich II., der am Friedrich ii.31. Mai 1740 seinem Vater (S. 189), gefolgt war. 1740- 86.
2. Der erste schlesische Krieg 1740—1742. — Friedrich II. ließ 1.schlcsischerder jungen Königin von Ungarn nnd Böhmen (diesen Titel hatte Maria KriegTheresia angenommen) den Borschlag thun, ihm die schlesischcn Fürstentümer "10—42.Jägerndorf, Liegnitz, Brieg und Wohlan*, auf die er gegründeteAnsprüche 2 habe, abzutreten, nnd erklärte sich für diesen Fall bereit, ihre Erb-folge zu verteidigen. Da die Antwort ablehnend ausfiel, so rückte er miteinem Heere von 30 000 Mann in Schlesien ein (Dezember 1740) und be-setzte das Land; nur die Festungen Glogau, Brieg und Ncisse* bliebenin den Händen der Österreicher.
^ t Jägerndorf, Stadt nnd Gebiet im nördlichen Teile von Österreichisch-'
Schlesien. — Liegnitz, Stadt und Gebiet in Prenßisch-Schlesicn, westlich von Bres-lau. — Brieg, Stadt und Gebiet an der Oder, oberhalb Breslau. — Wohlan,
Stadt und Gebiet am rechten Odcrufer, unterhalb Breslau. - Glogau, Stadt amlinken Ufer der Oder, unterhalb Breslau. — Nrisse, Stadt an der Glatzer Neisse,südlich von Brieg.
^ Die Ansprüche auf Jägerndorf schrieben sich aus der Zeit des 30jährigenKrieges her, da der Markgraf Johann Georg von Brandenburg-Jägerndorf durchKaiser Ferdinand den II. wegen seiner Verbindung mit Friedrich dem V. von derPfalz in die Acht erklärt und sein Fürstentum ihm genommen wurde. Friedrich II.von Preußen behauptete jetzt, wenn die Achtserklärung gegen jenen Fürsten auch ge-rechtfertigt, so hätte das Land, als ein Stammsitzen, den Seitenvcrwandten nicht ent-rissen werden dürfen. Die Ansprüche auf Liegnitz, Brieg nnd Wohlan nahmFriedrich II. aus einem Erbvcrtrag des Herzogs Friedrich von Liegnitz mit Joachimdem II. von Brandenburg aus deni Jahre 1537.