28
Alte Geschichte.
Grieche suchte wenigstens einmal den olympischen Spielen beizuwohnen, undso sandten nicht nur alle Gaue des Festlandes, sondern auch die benach-barten Inseln und die entferntesten Pflanzstädte in Italien, Asien und A-frika ihre Festgenossen. Während der Feier herrschte allgemeine Waffenruhe,die bittersten Feinde gingen in Elis friedlich nebeneinander her. — DerPlatz, auf welchem die Spiele stattfanden, war eben und durch eine MauerStadium, in zwei Theile geschieden. Die eine Abtheilung, das Stadium, war300 Schritte lang und diente für die Wettkämpfe zu Fuß; die andere vielHippodrom, längere, das Hippodrom, war zum Wagenrennen bestimmt. Ringsum-her saßen aus erhabenen Sitzen Tausende von Zuschauern, deren Zurufdie Kämpfer anfeuerte, lobte oder schmähte.
Mit Sonnenaufgang begannen die Spiele, nachdem die Nacht vorherden Göttern geopfert worden war. Kampfrichter saßen innerhalb der Schran-ken. Nackt und mit Oel gesalbt, traten die Wettstreiter (Athleten) vorund schwuren, daß sie sich zehn Monate lang zu den Kampfspielen vorbe-reitet und ein unbescholtenes Leben geführt hätten. Darnach winkte derHerold und der Laus begann. Wer zuerst das Ziel erreichte, dessen Namewurde laut ausgerufen und von allen Zuschauern jauchzend wiederholt.Im Hippodrom gab es Wettrennen mit dem Zwei- und Viergespann. Wennder Kampf beginnen sollte, so erhob sich durch künstlichen Mechanismusein eherner Adler und schlug mit den Flügeln. Dann eilten die Wagenauf die Bahn: zwölfmal hatten sie den Raum zu durchmessen und sehrgeschickt um die am Ziele stehenden Spitzsäulen zu biegen. Nicht seltenzerschellten da die Wagen, und Lenker und Rosse sanken verstümmelt odertodt in den Sand. Die größte Ehre galt nicht dem Lenker, sondern demBesitzer der Rosse. Könige sandten daher ihr schönstes Gespann, um unterden Siegern genannt zu werden. Auf das Wettrennen folgte das Ringen,der Faustkampf und das Werfen mit einer metallenen Scheibe, dem Diskus.
Preise. Am letzten Tage wurden die Sieger belohnt. Sie erhielten nur einenOlivenkranz, aber dieser Kranz war die höchste Ehre in Griechenland. Erverherrlichte nicht blos den, der ihn empfing, sondern auch seine Familieund seine Vaterstadt. Ein Bürger von Rodus, Diagoras, starb vor Freudeüber den Sieg, welchen seine beiden Söhne errungen, während man ihmglückwünschend zurief: „Stirb, Diagoras, dir bleibt nichts mehr zu wün-schen übrig!" — Und der Dichter Pin dar (S. 32) besang mehrere olym-pische Sieger in trefflichen Oden.
Aber nicht allein die Körperkräfte wurden hier geübt. Wer währendder vier Jahre ein treffliches Werk zu Stande gebracht hatte, trug es hierden versammelten Griechen vor. Und so errangen die berühmtesten Trauer-spieldichter (Tragiker) der Griechen: Aeschylus, Sophokles und E ur i-pides nach einander den Preis. Auch soll der Geschichtsschreiber Hero-d ot von Halikarnaß, der Vorläufer von Thucydides und Xenophon, zu Olym-pia einzelne Abschnitte seines berühmten Werkes vorgelesen haben. Durchdies Alles gelangten die olympischen Spiele zu einem solchen Ansehen, daßdie Hellenen (von 776 vor Chr. an) nach ihnen ihre Zeitrechnung bestimm-Olympiade. ten. Ein Zeitraum Von vier Jahren hieß ein Olympiade. — Wenigerglanzvolle Spiele waren die pythischen, welche bei Delphi zu EhrendesApollo (im 3. Olympiadenjahre), die isthmischen, welche bei Korinth zuEhren des Poseidon (im 1. und 3. Olympiadenjahre) und die nemeischen,