Band 
Dritter Kursus.
Seite
128
JPEG-Download
 

128

Mittlere Geschichte.

Fegfeuer.

Ablaß.

Meßopfer.

Reliquien.

Sieben

Sakra-

mente.

Transsub-

stantiation.

Kelchent-

ziehung.

Neue Feste.

56. Größte Ausbildung der Hierarchie 1266—1306.

1. Verunstaltung des apostolischen Christenthums. Die Lehre vom Fegfeuer. DasAblaßwesen. Das Meßopfer. Verehrung der Heiligen, Reliquien und Bilder. SiebenSakramente. Lehre von der Transsubstantiation. Kelchentziehnng. Ohreubeichte.Einführung neuer Feste. Sinken des inneren Lebens der Christenheit. 2. (Trennungder römischen und griechischen Kirche lt)54). Befugnisse des Papstes. Die Legaten.Bann und Interdikt. Gipfelpunkt der päpstlichen Macht nnterJnuocenz dem III. 1198

— 1216. Vierte Lateransynode 1215. Sinken des Papstthums nach Bonifa;dem VIII.1294—1303. Die Päpste zu Avignon 1305—1377. Das Schisma 1378-1417.

1. KirchlichcZu stände am Ende des 12. und am Anfangdes 13. Jahrhunderts. — Das apostolische Christenthum war nach undnach in Lehre, Verfassung und Gottesvcrehrung vielfach verunstaltet worden.Die schon seit Gregor dem I. (590—604) kirchlich geltende Lehre vom Fege-feuer als einem Mittelzustande, in welchem die Seelen der Gläubigen ihreSünden durch Läuterung abbüßen müßten, wurde die Grundlage für dasAblaß Wesen. Die Kirche behauptete, vermöge des überschüssigen Ver-dienstes Christi und der Heiligen die reinigenden Strafen des Fegfeuersin irdische Strafen verwandeln und von diesen wie von anderen Kirchen-strafen* gegen gewisse dem Gemeindewesen ersprießliche Leistungen entbin-den (dispensiren) zu können. Wenn die großen Kirchenlehrer dabei auchausdrücklich hervorhoben, daß Befreiung von den Qualen nur bei aufrich-tiger Herzensbußc möglich sei, so wurde doch diese Hauptsache von den ge-wöhnlichen Priestern meist Übergängen. Der Gottesdienst, in welchemdas Meßopfer den Mittelpunkt bildete, wurde meist in lateinischer Spracheabgehalten. Die Verehrung der Heiligen, Reliquien und Bilder nahm immermehr zu, namentlich seit die Kreuzfahrer zahllose Reliquien mitgebracht hat-ten und man jedem Stande und Alter einen besonderen Heiligen darbot. Amausgebildetsten war der Mariendicnst, in welchem die altgermanische Vereh-rung des Weibes ihr Ideal und volles Genüge gefunden hatte. Die Zahlder Sakramente war nach und nach auf sieben gesteigert worden (Taufe,Firmelung, Abendmahl, Buße, letzte Oelung, Ehe, Priesterweihe). Die An-schauung von der Verwandlung des Brodes und Weines beim Abendmahlin den Leib und das Blut Christi (die Lehre von der Transsubstantiation),welche Paschasius Radbertus, Abt von Corbie?, 831 aufgebracht hatte, sagtedem Volke zu, und die Befürchtung, daß von dem Blute des Herrn etwasverschüttet werden könnte, entzog den Laien seit dem 12. Jahrhundertden Gebrauch des Kelches, welcher den Geistlichen vorbehalten blieb.1215 wurde durch Jnnocenz den III. bestimmt, daß die Ohrcnbeichte uner-läßliche Bedingung der von dem Priester zu erlangenden Sündenvergebung

- (Absolution) sei. Man hatte viele neue Feste eingeführt, wie Maria Geburt(8. Sept.), aller Heiligen (1. Nov.), aller Seelen (2. Nov.), das Frohn-leichnamsfest (Donnerstag nach Trinitatis), dazu auch solche, wo der

r Seitdem 9. Jahrhundert hatten die Geistlichen genaue Verzeichnisse, in denendie Mißlingen (Pönitenzen) dem Werthe nach nebeneinandergestellt waren, Pöni-tenz-Bücher genannt. Wem auferlegt war, 7 Wochenlang zu fasten, der konntesich dafür mit 20 Schillingen lösen. Wer einen Tag fasten sollte, konnte dafürauch 56 Psalmen oder 15 Vaterunser und ebenso viele Miserere („Herr erbarmedich") beten. Auch Geißelhiebe konnten an die Stelle der Büßungcn treten. ZnrZeit der Krenzzüge wurden alle Bußen durch Theilnahme an einer Pilgerfahrt ge-sühnt; wer nicht selbst mitziehen konnte, durfte einen Stellvertreter schicken.

2 Corbie, Stadt in der Pikardie, an der Somme.