Band 
Dritter Kursus.
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Mittlere Geschichte.

waren die Rettung der Kirche im Morgenlande, die Bevormundung deschristlichen Staatenvereins, die Ausrottung der Ketzer und die strenge Ord-nung der Kirche die Hauptgedanken seines Lebens. Davon ist ihm auchVieles gelungen, und Rom hat durch ihn noch einmal die gebildete Weltbeherrscht. Bor ihm, welcher den deutschen Thron nach Gutdünken besetzte,neigten sich, wenn auch noch so unwillig, alle königlichen Häupter: einenKönig, Alphons den IX. von Leon^, zwang er durch Bann und Interdikt,die gesetzwidrige Ehe mit seiner Nichte aufzulösen; Philipp August vonFrankreich mußte seine verstoßene Gemahlin Jngeburgis wieder annehmen;die Könige Peter den II. von Aragonien ^ und Johann ohne Land von Eng-land erklärten ihre Reiche für Lehen des römischen Stuhls. — Auf derVierte Laie-vierten Lateransynode (1215), wo außer den zahllosen Geistlichen dier'""iynode GesaMcn von allen christlichen Königen anwesend waren, erschien Jnnocenz1 als das Haupt der Christenheit, und wohl konnte er in solcher Herrlichkeitsich der Sonne vergleichen und das Königthum dem Monde, der von jenersein Licht zu Lehen trägt.

Jnnocenz III. starb im Jahre 1216. Unter seinen Nachfolgern warenes Jnnocenz IV. (1243—1254) und Bonifaz VIII. (1294 — 1303),welche die päpstliche Macht in solcher Ausdehnung zu behaupten wußten,wie ihr großer Vorgänger. Nach Bonifaz gerieth das Papstthum in Ver-Päpste in fall, besonders weil der Sitz der Päpste nicht mehr Rom, sondern Avignon *Avigiwn war (1305—1377). Noch schlimmer wurde es, als seit 1378 immer zwei1305— 77. Päpste, einer zu Rom und der andere zu Avignon, herrschten, welche sichgegenseitig verketzerten und verfluchten. Diese Spaltung (Schisma) dauertefast 40 Jahre und wurde erst durch das Konzil zu Kostnitz (1417) beseitigt.

57. Der Kreuzzug gegen die Albigenser 1269—1229. DieInquisition 1232.

1. Unfriede im Schooße der Kirche. Arnold von Brescia (ch 1155). Bildungreligiöser Parteien (Sekten). Verfolgung der Sektirer (Ketzer). Peter Waldus: dieWaldenser oder Albigenser. Bekehrungsversuche Jnnocenz des III. Der Kreuz-zug gegen die Albigenser 1209—1229 durch Simon von Moutfort, Ludwigden VlII. und IX. 2. Einsetzung von JnquisitionStribunalen (durch Gregor denIX.) 1232. Strasbestimmungen. Siegreicher Widerstand der Deutschen gegen solche

Gerichte.

1. Zu derselben Zeit, als die Macht der Päpste unter Jnnocenzdem III. ihren höchsten Gipfel erreichte, brachen im Schooße der Kircheselbst Entzweiungen aus, den dereinstigen Fall der Priesterherrschaft (Hie-Arnold v. rarchie) verkündigend. Schon der kühne Mönch Arnold von Brescia^Brescia hatte zur Zeit Friedrich des I. gegen alles weltliche Besitzthum der Geist--s 1155. lichen gekämpft, und bald nach ihm traten Männer auf, die theils gegendas mehr und mehr einreihende unheilige und unreine Leben der Geistlicheneiferten, theils mit großem Freimuthe sich gegen einzelne Glaubenslehrender herrschenden Kirche erklärten. Solche Männer fanden bei der zuneh-menden Aufklärung des Volkes Freunde und Anhänger, und diese vereinig-ten sich zu ei genen Religionsparteien (Sekten), da die katholische Kirche sie

1 Leon, bis 1218 besonderes Königreich im nordwestlichen Spanien. — Ara-gouieu, bis 1469 besonderes Königreich im nordöstlichen Spanien. — Avignon,Stadt im südöstlichen Frankreich, an der Einmündung der Durance in die Rhone.

2 Arnold wurde 1155 zu Rom verbrannt. — Brescia, Stadt in Ober-italien, östlich von Mailand.