Kreuzzug gegen die Albigenser 1209—1229. Inquisition 1232. 131
Von ihrer Gemeinschaft ausschloß und als Irrgläubige oder Ketzer ver-dammte. Die Besorgniß, daß durch fortgesetzte Spaltungen das Band,welches die Christenheit zusammenhalten soll, ganz zerrissen'werden könnte,trieb aber die Kirche noch weiter. Nicht genug, daß Andersglaubende ver- Verfolgungdämmt wurden, man predigte förmlich Krieg gegen sie und' erklärte, der der Ketzer.Kampf gegen Ketzer und Abtrünnige sei ebenso verdienstlich, als der Krieggegen die Ungläubigen im Morgenlande. Die Ersten, gegen welche aufsolche Weise verfahren wurde, waren die Waldenser oder Albigenser.
Fünfzehn Jahre nach Arnold's von Brescia Tode, um 1170, lebte zu Peter Wal-Lyon ein reicher Kaufmann, Namens Peter Waldus (Peter dc Vaux). dusDieser wurde durch Lesen der heiligen Schrift plötzlich von einer innerenBewegung ergriffen, vertheilte sein ganzes Vermögen unter die Armen undentsagte allen Freuden der Welt. Zugleich war er bemüht, seine Ueber-zeugung auszubreiten. Er predigte Besserung von dem' ruchlosen Leben,tadelte den lasterhaften Wandel vieler Geistlichen und forderte Rückkehr zurapostolischen Einfalt. Damit das Volk sich aus dem Worte Gottes selbstunterrichten könne, ließ er die Evangelien in die Landessprache übersetzenund unter die Leute vertheilen. Im südlichen Frankreich und in Oberita-lien fand er viele Anhänger, die nach ihm Waldenser und nach derLandschaft Albigois, wo dieselben wohnten, auch Albigenser genanntwerden. Sie hielten besondere Versammlungen und erbauten sich in den-selben mit Gesang und Gebet und dem Vorlesen der Lebensgeschichte Jesu. RaimundGraf Raimund von Toulouse war ihnen ein gnädiger Herr und schützte sie vongegen die römischen Geistlichen, welche sie mit Gewalt zum Besuch der öffcnt- Toulouse,lichen Gotteshäuser anhalten wollten.
Papst Jnnocenz III. (S. 129) suchte die Waldenser zuerst durch Send-boten zum Glauben der katholischen Kirche zurückzuführen. Als dieses Mit-tel fehlschlug, schritt er zu Gewaltmaßregcln und ließ das Kreuz wider siepredigen. Und so mächtig war die Stimme des Papstes, daß Tausendesich zu dem Zuge einsanken- An die Spitze des Krenzheeres trat der tap-fere Simon von Montfort; und nun begann ein zwanzigjähriger Albigenser -Kricg (1209—1229), der an Grausamkeit kaum seines Gleichen gehabt krieghat. Als die Päpstlichen die Stadt B eziers^ erstürmten (1209), wurden 1209 —29.7000 Menschen, die sich in eine Kirche geflüchtet hatten, mit dieser ver-brannt und an 20,000 Menschen ohne Unterschied des Geschlechts und Al-ters erschlagen. Bei dieser Gelegenheit soll der Abt von Citeaux^ auf dieFrage, woran man die Rechtgläubigen, die dort wohnten, unterscheiden solle,geantwortet haben: „Schlagt nur todt, der Herr kennt die Seinen." GrafRaimund von Toulouse wurde mit dem Bann belegt, sein Land dem Simon o.fanatischen Simon von Montfort zugesprochen, der aber bei der Be- Montfortlagerung der Stadt Toulouse (1217) durch einen Steinwurf seinen Tod 1217.fand. An seiner Statt setzte König Ludwig VIII. von Frankreich (1223—1226) den Krieg gegen die Albigenser fort. 50,000 Reiter und vielFußvolk waren dazu aufgeboten. Im Jahre 1226 ward Avignon, dasdamals noch zum deutschen Reiche gehörte, nach dreimonatlicher Belagerungeingenommen; der König drang weiter vor, kam aber schon im November
* Beziers, Stadt an dem Kanal än miäi im südlichen Frankreich, in derProvinz Languedoc. — Citeaux, Stadt im Herzogthnm Burgund, in der Nahevon Dijon.
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