Band 
Dritter Kursus.
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Jungfrau von Orleans 1429.

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wo er residirte. Vereint brachen die Engländer und Burgunder gegen ihnauf, eroberten alles Land bis an die Loire und schritten zur Belagerungvon Orleaus i, um sich einen Weg nach dem südlichen Frankreich zubahnen. In der höchsten Noth aber erhielt der König Karl unerwarteteinen rettenden Helfer.

2. Es war den 1. Mai des Jahres 1429, als eine Jungfrau inmännlicher Kleidung, von zwei Knappen und vier Dienern begleitet, inKarl des VIl. Palast erschien und sich als die Befreierin Frankreich's an-kündigte. Sie hieß Johanna d'Arc, war die Tochter ehrbarer Landleuteund in dem Dorfe Domremy ^ geboren (1412). Unter den Beschäftigungenihres Standes war sie herangewachsen; doch neigte sie frühzeitig zur reli-giösen Schwärmerei. Mit tiefem Schmerz erfuhr sie das Elend ihres Vater-landes, und die Sehnsucht nach Besserung des Zustandes verband sich mitden frommen Gefühlen ihres Herzens, das nur von Gott Hilfe zu hoffensich gewöhnt hatte, so lebendig und so innig, daß ihr himmlische Gestaltenerschienen, von denen sie aufgefordert wurde, Orleans zu entsetzen und denDauphin zur Krönung nach Reims * zu führen. Von diesem Glauben ge-trieben, wandte sich das 17jährige Mädchen an Baudricourt, den Befehls-haber der benachbarten Stadt Vaucouleurs, und ward von ihm an dasHoflager in Chinon, unweit Orleans, gesendet. Und ohne Furcht trat sie hiervor den König und sprach in prophetischem Tone: „Wohledler Dauphin,ich bin Johanna, die Magd. Mir ist vom Himmel der Auftrag geworden,Eure Feinde von Orleans zu vertreiben und Euch nach Reims zu führen.Dort werdet Ihr, nehmt Ihr meine Dienste an, die Krone Frankreich's em-pfangen, die Euch gebührt." Obwohl sie nie vorher den König gesehen hatte,so soll sie ihn doch auf der Stelle aus den anwesenden Hofleuten herausge-funden und ihm Geheimnisse entdeckt haben, die auf natürliche Weise keinMensch außer ihm wissen konnte. Solche und ähnliche Gerüchte verbreitetensich unter das Volk. Man brannte vor Begierde, das Wundermädchcn zusehen, welches Gott sich zur Rettung Frankreich's auserkoren habe. Daerschien Johanna auf einem prachtvollen Streitrosse; vor ihr her wardein Banner getragen, auf welchem der Allmächtige, den Erdball haltend,von Lilien und zwei knieenden Engeln umgeben, abgebildet war und woraufdie Namen standen: „Jesus, Maria". Den Zuschauern kam sie als einüberirdisches Wesen vor, und begeistert griff man zu den Waffen.

An der Spitze des Heeres eilte die Jungfrau gen Orleans, um derhartbcdrängten Stadt Lebensmittel und Mannschaften zuzuführen. Zuvorjedoch stellte sie unter den Soldaten Zucht und Ordnung her: alle mußtenbeten, beichten und sich dem Schutze des Himmels empfehlen. Fast ohneWiderstand kam man vor Orleans und gelangte, während die Belagerteneinen Ausfall machten, sammt der Zufuhr am 29. April 1429 glücklich indie Stadt. Mit lautem Jubel wurde Johanna empfangen. Ihr ersterGang war nach der Kirche, um Gott zu danken; dann begab sie sich nachdem herzoglichen Palast, wo sie aber ganz einfach lebte. Unter der An-iührung der Jungfrau machten die Franzosen bald gute Fortschritte: siegriffen die festesten Posten der Feinde an und nahmen eine Schanze nachver andern. Mit jedem Tage hob sich der Muth des französischen Heeres,

r Orleans, Stadt am rechten Ufer der Loire. — Domremy, Dorfin Lothringen,am linken Ufer der Maas. — Reims, Stadt in der Champagne, westlich von Metz.

Johanna

d'Arc

1429.

Befreiung

Orleans'.