Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

ungastlicher Gesinnung und betrachtete die päpstliche Würde vornehmlich alsMittel, prachtvoll und genußreich zu leben. Dieselbe Verderbniß hatte sichlängst vieler Geistlichen bemächtigt. Alle Chroniken jener Zeit sind vollvon Schilderungen der Verworfenheit des Klerus, bestätigen der Bischöfeund ihrer Untergebenen Stolz, Geiz, Pracht und unordentliches Leben undmalen in grellen Farben den Verfall der Klöster und des Mönchslebens.

2. Wie die Reinheit des evangelischen Wandels durch die schlimmenSitten der Priester verdunkelt war, so die Kenntniß des Evangeliums durchderen tiefe Unwissenheit. Die Bisthümer waren nach und nach durch-gängig Sinekuren (Ruheposten) für nachgeborne Prinzen und Grafen ge-worden, und diese Herren kümmerten sich fast gar nicht um theologischeGelehrsamkeit. Von den Geistlichen hatten nur wenige eine Universität iUnwissen- besucht; ihre Unwissenheit war sprichwörtlich 2 , nicht einmal in der Bibelheit der wußten sie Bescheid. Pfarrer auf reichen Pfründen hielten sich arme VikareGeistlichen, und bürdeten diesen die Last des Amtes auf. Hierzu kam grobe Sinnlich-keit und frecher Witz, durch welche die kirchliche Kunst, die Verehrung derHeiligen und die Feier der Feste entweiht wurden. Auch die Spitzfindigkeitder Scholastiker (S. 164) wirkte übel ein, namentlich wurde dadurchfast die ganze Symbolik verändert. Maria galt beinahe mehr, als Gottund Christus. Man dachte sie als das Herz der Dreieinigkeit, und sie wurdenun die Hauptperson, die drei eigentlichen Personen der Gottheit nur Neben-personen. In demselben Sinn trat die Person des Erlösers insbesonderewieder hinter dem Sinnbild, der Hostie, zurück, und geputzte Marien undHostien nahmen die Hauptandacht in Anspruch (S. 128). Das arme VolkAberglaube ließ man in Unwissenheit dahin wandeln: statt der trostreichen Predigt ausdes Volkes, dxnr Worte Gottes bot man ihm die Erzählung von Märchen und Legen-den, statt der erhebenden Feier der heiligen Sakramente die gedankenloseVerrichtung vorgeschriebener Ceremonien und äußerlicher Werke. Die Ver-ehrung der Reliquien wurde durch Betrug entweiht, und um der vielenfalschen Reliquien willen wurden später auch die ehrwürdigen verhöhnt undvernichtet. Dazu kamen die rohen Possenspiele, die von den Geistlichenmeistens selbst zum Besten gegeben wurden, die frechen, burlesken Predigten,die Kanzelschwänke, die Narren- und Eselsfeste und andere Schauspiele un-Ablah. würdiger Art. Mehr als alles andere empörte der Ab laß. Seit die Kreuz-züge aufgehört, hatten die Päpste verordnet, wer zum Jubeljahr (das erstewar 1300) nach Rom wallfahre und auf St. Pcter's Altar ein Opferniederlege, solle so viel Ablaß haben, als ob er zum heiligen Grabe nachJerusalem gewallfahrt wäre. Anfangs sollte das Jubeljahr nur alle hun-dert Jahre gefeiert werden; da es aber so viel Geld eintrug, wiederholteman es schon nach 50, dann nach 33 und endlich gar nach 25 Jahren.Unzählige Gläubige strömten nach Rom, wo man das Geld mit Rechenvon den Altären wegstrich. Da nun aber doch nicht alle nach Rom wall-fahren konnten, sorgte der Papst dafür, daß der Ablaß den Leuten in's

r Im 15.Jahrhundert waren folgendeUniv e rsität en(S. 145) entstanden: Würz-burg 1402, Leipzig 1409, Rostock 1419, Löwen 1436, Trier und Greifswalde 1454, Frei-burg im Breisgau 1456, Basel 1460, Jngolstadt 1472, Mainz und Tübingen 1477.

2 Längst bekannt war die Anekdote von dem Priester, der, als er einmal gehört:8. Lsnsäietns bsnsäieat, aus Unwissenheit sagte: 8. Lsrubaräns bernbaickat.